23. September: Die Wochenheiligen

Die heiligen Märtyrerkinder von Tlaxcala

Die „Märtyrerkinder“ Cristobal, Antonio und Juan gehören zu den amerikanischen Protomärtyrern und wurden 1990 von Papst Johannes Paul II. selig- und 2017 von Papst Franziskus heiliggesprochen.
Märtyrerkinder von Tlaxcala
| Cristobal, Antonio und Juan waren zum Christentum konvertiert und erlitten das Martyrium. Ihr gemeinsamer Gedenktag ist der 23. September.

Die Stadt Tlaxcala im zentralmexikanischen Hochland war im präkolumbischen Mexiko das politische Zentrum des Volkes der Tlaxcalteken. Anders als die umliegenden Völker waren sie nie von den Azteken erobert worden. Dennoch stellten die Azteken für sie eine ständige Bedrohung dar, da sie Feldzüge durchführten, um Tlaxcalteken zu entführen und ihren Göttern als Menschenopfer darzubringen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Tlaxcalteken sich nach der Ankunft der Spanier in Mexiko mit diesen gegen die Azteken verbündeten. Im Jahr 1521, nachdem das Aztekenreich erobert worden war, errichteten die Franziskaner in Tlaxcala die erste Kirche auf dem amerikanischen Festland. Nur wenige Jahre später erlitten drei junge Tlaxcalteken, die zum Christentum konvertiert und auf die Namen Cristobal, Antonio und Juan getauft worden waren, das Martyrium. Ihr gemeinsamer Gedenktag ist der 23. September.

Der Vater tötete seinen Sohn und seine Frau

Cristobal – sein Geburtsname ist ebenso wie die der beiden anderen unbekannt – wurde 1514 oder 1515 als Sohn des Acxotetal, eines Lokalfürsten von Tlaxcala, geboren. Zusammen mit seinen Brüdern besuchte er ab 1524 die Missionsschule der Franziskaner. Schon bald nahm er den christlichen Glauben an und ließ sich taufen. Damit geriet er in Kontrast zu seiner Familie, die weiterhin den alten Göttern anhing. In seinem Glaubenseifer kritisierte der junge Konvertit den Lebenswandel seiner Angehörigen, besonders des Vaters, der dem Alkohol verfallen war. Als die Familie den Jungen nicht ernstnahm, begann dieser, die Götterbildnisse im Haus zu zerschlagen.

Daraufhin beschloss der Vater, seinen Sohn zu töten. Als dieser am nächsten Tag aus der Missionsschule nach Hause kam, ergriff er ihn, warf ihn zu Boden und misshandelte ihn mit Stockschlägen und Tritten so schwer, dass er ihm Arme und Beine brach. Da Cristobal nicht aufhörte zu beten, warf sein Vater den 13-jährigen in ein offenes Feuer, sodass der Junge bei lebendigem Leib verbrannte. In seiner Rage tötete er auch Cristobals Mutter, die vergeblich versuchte, ihrem Sohn zu Hilfe zu eilen. Cristobals Leichnam wurde zunächst heimlich im Haus vergraben, aber auf Betreiben der Franziskaner im Jahr darauf exhumiert und in die Kirche von Tlaxcala überführt.

Götterbildnisse zerstört

Antonio und Juan waren etwa zwei Jahre jünger als Cristobal und besuchten ebenfalls die Missionsschule der Franziskaner. Auch Antonio stammte aus einer adligen Familie; Juan war sein Diener. 1529 kamen Dominikanermissionare in die Schule. Sie wollten eine Mission in Oaxaca im Süden Mexikos gründen und waren auf der Suche nach indigenen Schülern, die ihnen als Dolmetscher helfen konnten. Als der Rektor die Schüler fragte, wer zu dieser Aufgabe bereit sei, meldeten sich die 13-jährigen Antonio und Juan zusammen mit einem weiteren Jungen namens Diego.

Die drei machten sich zusammen mit den Dominikanern auf den Weg. In Tepeaca bei Puebla angekommen, halfen die Jungen den Missionaren, aztekische Götterstatuetten – die in dieser Zeit mit den noch allgegenwärtigen grausamen Menschenopfern und dem damit verbundenen Kannibalismus in Verbindung gebracht wurden – zu finden und einzusammeln, um sie zu zerstören. Anschließend gingen Antonio und Juan allein in das nahe gelegene Cuauhtinchán, um auch hier die Götterbildnisse aus den Häusern zu entfernen. Während Juan an der Tür Wache stand, ging Antonio in die Häuser hinein. Dabei wurden sie von einigen Indios beobachtet, die wütend auf sie zustürmten und Juan erschlugen. Antonio wollte ihm zu Hilfe eilen und rief: „Warum schlagt ihr meinen Freund, der keine Schuld hat? Ich bin es, der die Bildnisse einsammelt, denn sie sind diabolisch und nicht göttlich.“ Daraufhin wurde er ebenfalls erschlagen. Ihre Leichname wurden in eine Böschung geworfen, wo die Dominikaner sie fanden. Sie brachten sie nach Tepeaca, wo sie in einer Kapelle beigesetzt wurden.

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