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Die angezählte Kanzlerin

In der CDU rumort es. Wer in die Partei hineinhört, hört vieles. Ein Stimmungsbild von Martin Lohmann.
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Bundeskanzlerin Angela Merkel: Und wie steht es um ihr Kanzlerende?

Macht macht mächtig. Und betört. Sie schafft Abhängigkeiten – vornehmlich für andere. Machtgier kann man Mächtigen nicht wirklich vorwerfen. Sie gehört zu den Voraussetzungen derer, die Macht über andere haben wollen. Sie gehört zum System. Erst recht in der Demokratie. Wenn sie verbunden wird mit dem Ehrgeiz, dem Gemeinwohl zu dienen, ist das gut. Das nennt man im besten Fall Verantwortung, die wahrgenommen wird.

Macht korrumpiert und macht blind für die Wirklichkeit

Aber es ist auch kein Geheimnis, dass lange geliehene Macht korrumpiert und korrumpierend sein kann. Und: Dass sie blind macht für die Wirklichkeit. Auch für die Wirklichkeit derer, denen Machtmenschen zu dienen haben. Dem Mut zur Machtübernahme steht keineswegs gleich stark der Mut zum Rückzug entgegen. So gesehen ist Angela Merkel ein ganz normaler Teil einer real existierenden Tradition bundesdeutscher Wirklichkeit. Auch Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl und Schröder gingen nicht ganz freiwillig als Kanzler. Der Überdruss der Demokraten musste stets nachhelfen. Mal eher stilvoll, mal weniger sanft. Es ist eben kein unlöslicher Sekundenkleber auf dem Kanzlerstuhl. Das weiß auch die im Osten sozialisierte Regentin, die eben keine Bundesstaatsratsvorsitzende ist.

Wie steht es um Angela Merkel?

Und wie steht es um ihr Kanzlerende? Ist es längst da, wird aber kunstvoll übertüncht vom mehr oder weniger geschäftigen Alltag? Wie sieht es aus, das Verhältnis von mutiger Abschiedsbereitschaft und vornehmer Zurückhaltung derer, die vom einstigen Aufstieg der Mächtigen profitierten und selbstverständlich frei und unabhängig am Besten für Deutschland interessiert sind? Und wie nonkonformistisch ist der Geist in der Partei, die Merkel über viele Jahre zu der ihrigen formte – ohne Rücksicht auf Verluste? Gibt es eine belastbare Stimmungslage in der Union im Blick auf real existierende Notwendigkeiten, oder sind Ankündigungen der Nachfolgerin als Parteichefin für eine Klausur unmittelbar nach der Europawahl Blendgranaten, weil die Raute doch "ewig" bis zum Ende bleiben wird?

DT (jobo)

Antworten auf diese Fragen – unter Berufung auf Wolfgang Bosbach und die Werte-Union – gibt Martin Lohmann in seiner Analyse. Lesen Sie dazu seinen Stimmungsbericht in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 9. Mai 2019.

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