Lemberg

Deutschland verspielt seinen Ruf in Osteuropa

Vergewaltigungen und Folter gehören zur offiziellen Taktik der russischen Armee, meint der ukrainische Publizist Juri Durkot in einem Beitrag für die „Tagespost“.
Massaker in Butscha
Foto: IMAGO/Esteban Biba (www.imago-images.de) | Erschießungen, Vergewaltigungen, Folter und Entführungen: Butscha sei „durch das Ausmaß des Verbrechens, durch die Kraft erschütternder Bilder und die Aussagen der Überlebenden ein Schock für die ganze Welt“ ...

Von zahlreichen russischen Kriegsverbrechen, die erst sichtbar werden, wenn ein Ort von der ukrainischen Armee befreit wurde, berichtet der ukrainische Publizist Juri Durkot in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der „Tagespost“. Er weiß von Erschießungen, Vergewaltigungen, Folter und Entführungen. Butscha sei „durch das Ausmaß des Verbrechens, durch die Kraft erschütternder Bilder und die Aussagen der Überlebenden ein Schock für die ganze Welt“ gewesen. Doch es gehe nicht nur um Butscha, Irpin, Borodjanka oder Hostomel. „Die russischen Truppen haben überall ein Bild des Grauens hinterlassen. Das, was man in der Nähe von Kiew gesehen hat, hat sich auch in den Dörfern und Städtchen in anderen ukrainischen Regionen abgespielt, die kurz unter russischer Besatzung standen“, so Durkot.

„Viele haben es nicht überlebt,
manche sind verrückt geworden.
Andere werden es nie vergessen“

Der in Lemberg (Lviv) lebende ukrainische Publizist erzählt von minderjährigen Töchtern, die vor den Augen ihrer Mütter brutal vergewaltigt wurden, von Frauen, die wochenlang als Sexsklavinnen gehalten wurden, von kleinen Jungen, die sexuell missbraucht wurden. Durkot meint: „Viele haben es nicht überlebt, manche sind verrückt geworden. Andere werden es nie vergessen.“

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Vergewaltigungen, Folter und willkürliche Hinrichtungen von Zivilisten gehörten bei der russischen Armee zum System, das habe sich bereits in Tschetschenien und Syrien gezeigt und nun erneut bestätigt. „Es sind keine Exzesse einzelner Soldaten oder Offiziere und keine Gewaltorgien entgleister Sadisten. So etwas ist nur möglich, wenn es zur offiziellen Taktik einer Armee gehört, die von der Militärführung nicht einfach toleriert, sondern empfohlen wird.“

Die Ukraine brauche schwere Waffen, um sich verteidigen zu können, schreibt Durkot in der „Tagespost“. Er kritisiert zugleich die deutsche Bundesregierung: „Mit Waffenlieferungen tut sich Berlin trotz aller Rhetorik immer noch schwer. Die Ukrainer klagen sogar darüber, dass selbst die versprochenen Waffensysteme bisher nicht eingetroffen sind. Jede Verzögerung kostet Menschenleben.“ Deutschland sei dabei, seinen Ruf in Osteuropa zu verspielen.  DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Reportage des Lemberger Publizisten Juri Durkot in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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