03. April: Der Wochenheilige

Der selige Piotr Eduard Dankowski

Piotr Eduard Dankowski wurde 1999 von Johannes Paul II. zusammen mit 107 weiteren Märtyrern des Zweiten Weltkriegs seliggesprochen.
Selige Piotr Eduard Dankowski

Im Konzentrationslager „Auschwitz III Monowitz“ waren während des Zweiten Weltkriegs Gefangene inhaftiert, die im Industriekomplex der Buna-Werke eingesetzt wurden. Schätzungsweise 20 000 bis 25 000 von ihnen starben aufgrund der unmenschlichen Haft- und Arbeitsbedingungen oder wurden als arbeitsunfähig ausselektiert und in „Auschwitz II Birkenau“ vergast. Das Lager „Auschwitz III“ wurde im Oktober 1942 eröffnet; zu seinem Bau wurden ebenfalls Häftlinge eingesetzt, die den Arbeitsweg vom sechs Kilometer entfernten Stammlager „Auschwitz I“ und zurück täglich zu Fuß zurücklegen mussten. Einer dieser Häftlinge war der Priester Piotr Eduard Dankowski, der am 3. April 1942, einem Karfreitag, starb. Er ist der Schutzpatron der Priester der Erzdiözese Krakau.

Piotr Eduard Dankowski wurde am 21. Juni 1908 im südpolnischen Jordanów geboren. Seine Eltern bewirtschafteten eine kleine Bauernstelle, wo der Vater auch als Schuster tätig war. Der begabte Junge besuchte das Gymnasium in Nowy Targ und trat mit 18 Jahren in das Priesterseminar der Erzdiözese Krakau ein. Er studierte an der Jagiellonen-Universität und wurde am 1. Februar 1931 zum Priester geweiht. Anschließend war er in verschiedenen polnischen Pfarreien tätig und widmete sich dem Religionsunterricht an Schulen und der Sozialarbeit.

Aktiv im polnischen Widerstand

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen im September 1939 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs schloss er sich dem polnischen Widerstand an. Zusammen mit seinem Bruder Stanislaus war er für ein Untergrund-Radio tätig, das übersetzte Berichte alliierter Sender übertrug, war an der Herstellung von Flugblättern beteiligt, und half Menschen, die von der Gestapo verfolgt waren, bei der Flucht. Obgleich er selbst im Visier der Gestapo stand und ihm die Verhaftung drohte, blieb er auf eigenen Wunsch auf seiner Krakauer Pfarrstelle.

Lesen Sie auch:

Am 10. Mai 1941 wurde Dankowski verhaftet und im Gestapo-Hauptquartier in Zakopane unter Folter verhört. Anschließend kam er ins Gefängnis in Tarnow, von wo aus er im Dezember 1941 nach Auschwitz transportiert wurde. Hier wurde er für die Arbeit am Komplex der Buna-Werke und des zukünftigen Lagers „Auschwitz III“ eingesetzt. Zusammen mit den Mitgefangenen musste er Gräben für die Kanalisation ausheben; die Knochenarbeit überstieg seine körperlichen Kräfte. Außerdem war er als Priester einem Kapo ein besonderer Dorn im Auge: Dieser ließ ihn täglich zusätzlich sein eigenes Grab schaufeln, um es am Ende dann wieder mit Erde zu füllen.

„Wir sehen uns im Himmel wieder“

Am Freitag vor Palmsonntag 1942 war Dankowski so geschwächt, dass er es nicht schaffte, zur Arbeit zu gehen. Als er am folgenden Tag bei der Zählung wieder vor dem Kapo stand, streckte dieser ihn zur Strafe für seine „Faulheit“ mit einem Schlag zu Boden, trat auf ihn ein und zerbrach dabei auch seine Brille. Anschließend spottete er, dass er dafür sorgen werde, dass der Priester in der Karwoche seinen persönlichen Kreuzweg erleben werde. Er ließ ihm einen Holzstamm auf den Rücken binden und schickte ihn so ins Krankenlager, wo er weitere Misshandlungen erlebte. Am Karfreitag ging ein Mitgefangener, der ebenfalls Priester war, zu dem Sterbenden, um ihm die Absolution zu erteilen. Dankowski verabschiedete sich von ihm mit den Worten: „Wir sehen uns im Himmel wieder.“ Dann starb er unter den Folgen der Misshandlungen, an den Holzstamm gebunden wie Jesus am Kreuz.

Piotr Eduard Dankowski wurde 1999 von Johannes Paul II. zusammen mit 107 weiteren Märtyrern des Zweiten Weltkriegs seliggesprochen. „Während wir diesen feierlichen Akt vollziehen“, so der Papst, „wird in uns gewissermaßen die Sicherheit neu bestärkt, dass wir unabhängig von den Umständen in allem den vollen Sieg davontragen können durch den, der uns geliebt hat. Die seligen Märtyrer rufen unseren Herzen zu: Glaubt, dass Gott die Liebe ist! Glaubt es in Gutem und Bösem! Erweckt in euch die Hoffnung! Sie bringe in euch die Frucht der Treue zu Gott in jeder Prüfung hervor!“

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Angespornt durch die 1891 veröffentlichte Sozialenzyklika Rerum novarum widmete sich Tadini der Arbeiterfrage in seiner Pfarrei. Im Jahre 2009 wurde er heiliggesprochen.
20.05.2022, 05  Uhr
Claudia Kock
Bei seinen Interventionen zugunsten der verfolgten Juden stützte sich der Papst auf Monsignore Giovanni Battista Montini im Staatssekretariat und Pater Pancrazio Pfeiffer von den Salvatorianern.
06.10.2021, 06  Uhr
Andrea Gagliarducci
Themen & Autoren
Claudia Kock Erzbistum Hamburg Johannes Paul II. Kreuz Priesterseminare Päpste

Kirche

Der deutsche Katholizismus ist gelähmt. Er spielt in gesellschaftlichen Debatten kaum noch eine Rolle. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die Bischöfe.
26.05.2022, 09 Uhr
Manfred Spieker
Der Moskauer Patriarch beschädigt mit seiner Kriegstreiberei nicht nur sein eigenes Image, sondern die Glaubwürdigkeit der christlichen Verkündigung.
25.05.2022, 11 Uhr
Stephan Baier
Weil der deutsche Katholizismus trotz Auflösungserscheinungen Wortführer in der Gesellschaft bleiben will, wird der Glaube beschwiegen. Der Missionsauftrag bleibt auf der Strecke.
25.05.2022, 19 Uhr
Christoph Böhr
Am Samstag können Sie sich zusammen mit der Tagespost-Volontärin Emanuela Sutter über Ihre Erfahrungen mit dem Katholikentag und über Themen rund um die Tagespost unterhalten.
25.05.2022, 12 Uhr
Redaktion