DDR-Vergangenheit: Mangelnde Erinnerungskultur

Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, beklagt, dass die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit sowohl in der Öffentlichkeit wie auch unter Geschichtswissenschaftlern kaum noch eine Rolle spiele.
Mangelnde Erinneringskultur
Foto: Wolfgang Kumm (dpa) | Selbst in Russland oder Albanien wisse man mehr über die Opfer das Kommunismus als in Deutschland, so Hubertus Knabe.

Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, beklagt, dass die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit sowohl in der Öffentlichkeit wie auch unter Geschichtswissenschaftlern kaum noch eine Rolle spiele. „Fast 30 Jahre nach dem Ende der SED-Diktatur in der DDR ist immer noch nicht bekannt, wie viele Menschen ihr zum Opfer fielen“, schreibt Knabe in einem Gastbeitrag für die „Tagespost“. „Wer starb in Lagern und Gefängnissen, wer kam aus politischen Gründen in Haft?“ Was in anderen ehemaligen Ostblockstaaten schon vor Jahren erforscht worden sei, sei in Deutschland nach wie vor ungeklärt.

Selbst in Russland oder Albanien wisse man mehr über die Opfer das Kommunismus, schreibt Knabe. Zwar wolle die Gedenkstätte im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen dies nun ändern. „Alle, die im kommunistischen Teil Deutschlands getötet, verhaftet oder deportiert wurden, sollen identifiziert und in einer Datenbank erfasst werden.“ Fünf Millionen Euro stelle das Bundesforschungsministerium dafür zur Verfügung.

Jedoch sage es viel über die Erinnerungskultur aus, dass es so lange gedauert habe, bis sich Deutschland dieses Themas annimmt. Auch durch die Einwanderungspolitik seit dem Jahr 2015 sei das Schicksal der SED-Verfolgten in der Öffentlichkeit „praktisch von der Tagesordnung verschwunden“. Der Aufbau eines Verfolgtenregisters werde an diesem Zustand wenig ändern.

DT/mlu

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