Brasilien: Kirche gegen Entkriminalisierung von Abtreibungen

Das Oberste Gericht Brasiliens will in wenigen Tagen über ein liberaleres Abtreibungsrecht entscheiden. Die katholischen Bischöfe betonen indes das Recht auf Leben.
Brasilien: Gericht entscheidet über Entkriminalisierung von Abtreibung
Foto: Marcelo Camargo (Agencia Brazil) | Eine Gruppe fordert vor dem Obersten Gericht mehr Frauenrechte im Rahmen der Debatte um das Abtreibungsrecht. In Brasilien sind Abtreibungen nur nach Vergewaltigungen erlaubt, oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ...

Das Oberste Gericht in Brasilien wird nächste Woche entscheiden, ob die Abtreibungsgesetze in dem südamerikanischen Land liberalisiert werden. Dazu fand Anfang der Woche eine Anhörung statt, bei der auch zwei katholische Bischöfe auftraten, um die Position der Kirche zu vertreten. Einer der Vertreter war Ricardo Hoerpes, Bischof von Rio Grande. Er betonte, dass es nicht die Aufgabe des Gerichts sei, über Abtreibung zu entscheiden. Zudem verwies er auf die Lehre der katholischen Kirche, dass menschliches Leben ab dem Zeitpunkt der Empfängnis bis zum natürlichen Tod verteidigt werden müsse.

Fötus kann nicht als Körperteil angesehen werden

Der Bischof fragte, wie das Oberste Gericht die Todesstrafe für ein unschuldiges, wehrloses menschliches Wesen rechtfertigen wolle. Sie sei vielmehr ein Beweis für das Unvermögen, angemessene gesetzliche Rahmenbedingungen zum Schutz der Frau zu schaffen. Ein Fötus könne nicht einfach als „Körperteil“ angesehen werden, so Bischof Hoerpes. Der Fokus müsse auf dem Leben des Babys liegen.

„Das Recht auf Leben ist das grundlegendste aller Rechte, und daher muss es besser als jedes andere Recht geschützt werden“, so Bischof Hoerpes. Es sei ein dem Menschen eigenes Recht, kein Zugeständnis des Staates. Der Bischof forderte daher, dass Vertreter des Volkes im Kongress über die Abtreibungsgesetze debattieren sollten, nicht der Gerichtshof.

Anhörung rechtfertigt nur Aktivismus des Gerichts

Der zweite Vertreter der katholischen Kirche, der vor den Höchstrichtern sprach, Pater Jose Eduardo de Oliveira e Silva, beklagte zudem, dass vor dem Obersten Gerichts mehr Befürworter einer Entkriminalisierung von Abtreibung auftreten durften als Lebensschützer. Die Anhörung diene nur dem Zweck, den Aktivismus des Gerichts zu rechtfertigen.

Die brasilianische Bischofskonferenz hatte vergangene Woche die Gemeinden dazu aufgerufen, die Kirchenglocken zu läuten, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Das Abtreibungsrecht in Brasilien ist eines der striktesten weltweit. Abtreibungen sind nur erlaubt, wenn bei einem ungeborenen Kind schwere Gehirnschäden festgestellt werden, in Missbrauchsfällen sowie wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

DT/mlu

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