Zivilcourage: Jetzt erst recht

Zivilcourage ist einer der wichtigsten Werte, die eine Zivilgesellschaft zusammenhalten. Dieser Mut ist jetzt in München an einer Straßenbahn-Station am hellen Tag mit Füßen getreten worden – und ein Fünfzigjähriger, der jungen Buben helfen wollte, die von zwei Halbwüchsigen drangsaliert wurden, hat seine Hilfe mit dem Leben bezahlt. Die zwei Halbwüchsigen haben den Couragierten zu Tode „gestiefelt“, wie das ein Polizeisprecher nannte.

Das erschüttert die Nation und wirft eine bange Frage auf: Werden in Zukunft die Bürger wegschauen, wenn sie sehen, dass Mitmenschen in der Öffentlichkeit von anderen bedroht oder gewalttätig angegangen werden? Ist der Preis, möglicherweise verletzt oder gar getötet zu werden, wenn man sich einmischt, zu hoch? Der erste Gedanke ist: Ja. Der zweite Gedanke aber ist ein anderer: Nicht wegschauen, sich trotz aller Bedenken dennoch einmischen. Denn jedes Nachgeben gegenüber Schlägern oder Belästigern signalisiert ihnen, dass sie wieder ein Stückchen mehr öffentlichen Raum erobern können. Sie werden diese Grenze immer weiter austesten wollen.

Allerdings macht dieser Tod etwas noch deutlicher: Die Bürger müssen damit rechnen, dass ihnen sofort Gewalt entgegenschlagen kann, um nicht von ihr überrascht zu werden und reagieren zu können. Sie müssen deshalb besser über das richtige Verhalten in solchen Situationen informiert werden. Sie müssen Zivilcourage trainieren können. Da sind Kommunen, Vereine oder Polizei gefragt, solche Trainingsangebote auch zu machen.

Und es muss mehr Solidarität unter den Bürgern geben: Es dürfen in brenzligen Situationen nicht nur einer oder eine sein, die Zivilcourage zeigen und aufstehen, sondern mehrere und viele gleichzeitig. sei

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