Tel Aviv

Zeitenwende am Golf

Warum Israel und die Emirate künftig gemeinsame Sache machen.

Israel-Emirate-Beziehung
Die beleuchteten Fenster eines Gebäudes ergeben die Farben der Nationalflagge der Vereinigten Arabischen Emirate, nach der historischen Vereinbarung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel über die Aufnahme uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen. Foto: Oren Ziv (dpa)

Da ist Frieden und kaum einer geht hin, jedenfalls kein Europäer. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erkennen Israel an, man nimmt offiziell diplomatische Beziehungen auf, Israel verzichtet dafür auf die Annexion von Gebieten in der Westbank (Siehe dazu auch Seite 6). Möglich wurde dieser "historische, diplomatische Durchbruch", wie es in der gemeinsamen Erklärung Israels, der VAE und der USA heißt, durch Vermittlung Washingtons.

Trump hat Wende im Nahen Osten ausgehandelt

Ausgerechnet Donald Trump, den viele Medien und Politiker im Westen arrogant belächeln, hat diese Wende im Nahen Osten ausgehandelt. Weder Obama noch die EU noch Merkel und Macron hätten dieses Kunststück vollbracht, sie waren und sind zu sehr auf die palästinensische Frage konzentriert. Bundesaußenminister Heiko Maas meint trotzig: "Wir halten an unserer Position fest, dass nur eine verhandelte Zweistaatenlösung dauerhaften Frieden im Nahen Osten bringen kann." Da kann man nur sagen: Maas, Merkel und Co haben die historische Bedeutung dieses Friedenswerks nicht erkannt.

Zunächst: Die Zweistaatenlösung war in den letzten dreißig Jahren mehrfach zum Greifen nahe, die palästinensischen Führer, nicht nur der Hamas, hatten sie immer wieder ausgeschlagen. Und die arabischen Staaten, die die Palästinenserfrage sowieso nur als Hebel gegen Israel in der internationalen Politik nutzten, haben nun das Interesse an ihr verloren. Konkret: Die existenzielle Bedrohung durch das iranische Regime, das die Hamas und andere Terrorgruppen unterstützt und offen die Vernichtung Israels anstrebt, zwingt sie zu einer Realpolitik, in der Israel als Partner eine dominierende Rolle spielt. Das Feld- und Kriegsgeschrei der Palästinenser verhallt in Abu Dhabi, Dubai, Bahrein und Riad künftig ungehört.

Iranische Bedrohung existiert in Form von Raketen

Dagegen wird man in den Emiraten demnächst leise Geräusche von Aufbauarbeiten vernehmen. Die iranische Bedrohung existiert in Form von Raketen. Israel hat das einzige Raketenabwehrsystem in der Region. Und es funktioniert lückenlos, wie man in den letzten Jahren beobachten konnte. Dieses System dürfte bald auch in den Emiraten installiert werden, inklusive eines Schutzschirms für Saudi-Arabien. Der Angriff Irans vor knapp einem Jahr auf saudische Ölfelder steckt dem Königshaus noch in den Knochen. Hinzu kommen die hochentwickelten Aufklärungsdrohnen und die Erkenntnisse der Nachrichtendienste Israels, auf die sich die Emirate sowieso schon seit einiger Zeit verlassen. Die Drohnen werden die Straße von Hormus bewachen, israelische Kampfjets werden in weniger als hundert Kilometer von iranischem Gebiet entfernt stationiert werden. 

Diese Sicherheit durch israelische Technologie war nur gegen Frieden und Anerkennung zu haben   eine Anerkennung, die de facto durch diskrete Kooperation schon gegeben war. Jetzt ist es amtlich, auch für die UNO. Dort wird man es bei Abstimmungen merken. Die antisemitischen Anträge werden sich um den harten Kriegskern Türkei und Iran gruppieren. Auch bei der Entsalzung von Meerwasser ergänzen sich israelisches Know-how und arabisches Geld aufs Beste. Israel versorgt sich zu neunzig Prozent mit entsalzenem Wasser, in den arabischen Wüstenstaaten wird diese High-Tech-Methode zu blühenden Landschaften führen. Auch auf anderen Gebieten, etwa der Weltraumforschung oder dem Tourismus werden die Emirate und Israel ihre Win-Win-Situation nutzen, eine gemeinsame Öl- und Gaspolitik kommt künftig noch dazu.

Die Welt wird Zeuge einer Zeitenwende am Golf. Bahrein wird bald folgen, der König ist derzeit zu einem Privatbesuch in Jerusalem. Der Libanon, Kuweit und Oman stehen an. Am Frieden muss man auch arbeiten. Er ist eine Frage des guten Willens sowie berechtigter und gemeinsamer Interessen. Daraus erwachsen Vertrauen und Eintracht, die auch religiöse Gegensätze neutralisieren können. Das hat die EU noch nicht begriffen, die Golfstaaten und Israel schon.

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