Berlin

Wünsche an den Kandidaten Armin Laschet

Was können christliche Wähler von einem Kanzler Armin Laschet erwarten? Wie sieht seine Position zum Lebensschutz aus, wie denkt er über Christenverfolgung und was versteht Laschet unter der Familie? Stimmen aus christlichen Verbänden.

Armin Laschet
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Landesvorsitzender der CDU in Nordrhein-Westfalen, steht in einem Studio in Köln. Foto: Federico Gambarini (dpa-POOL)

Armin Laschet ist als Kanzlerkandidat gesetzt - aber wie sieht es in den Verbänden aus, die für christliche Werte und Politik stehen? Welche Perspektiven und Wünsche verbinden sie mit der Kanzlerkandidatur? Die Tagespost hat verschiedene Vertreter aus den Bereichen Außenpolitik und Glaubensfreiheit, Familienpolitik und Lebensrecht gefragt.

Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet

"Wahrhaftigkeit sollte die Innen- und Außenpolitik eines Kanzlers der Union verstärkt kennzeichnen, der sich entsprechend bemühen würde, dass Deutschland als ein ehrlicher Vermittler in den großen Konfliktregionen der Welt wahrgenommen wird", sagt Pfarrer Peter Fuchs von Christian Solidarity International (CSI). Er sollte eine Außenpolitik gestalten können, die dynamisch sei und sich den Prinzipien von Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet wisse. "Nur so kann die Beachtung von Menschenwürde und Menschenrechten weltweit glaubhaft eingefordert werden", sagt er gegenüber der Tagespost.

Der Chef von CSI Deutschland zieht daraus den Schluss: "Entsprechend würde eine realitätsnahe Neuausrichtung der deutschen Syrienpolitik dringend anstehen, die einseitige Zwangsmaßnahmen abbauen und zum Aufbau des Kriegslandes beitragen sollte." Laschet bringe dabei durch seinen katholischen Hintergrund "vermutlich eine größere Offenheit und echtes Interesse an der Weltkirche mit". So könne die Sichtweise kirchlicher Entscheidungsträger in Syrien in Zukunft eine größere Rolle spielen, weil Laschet weniger auf die veröffentlichte Meinung angewiesen sei.

Familienpolitische Aufbauarbeit leisten

Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes der Katholiken, spricht gegenüber der Tagespost von einem "Marshall-Plan", den es für Kinder, Jugendliche und Eltern nach der Corona-Krise geben müsse. "Familien müssen Mehrfachbelastungen, soziale Isolation und den Ausschluss von umfassender schulischer Bildung bewältigen, die auf Dauer nicht tragfähig ist", sagt Hoffmann. Es müsse familienpolitische Aufbauarbeit geleistet werden, so etwa durch die "Einführung einer Corona-Elternzeit in Verbindung mit einem Elterngeld". Perspektivisch müsse "Familienarbeit der Erwerbsarbeit gleichgestellt werden". Das gelte auch bei der Pflege von Angehörigen "durch die Einführung von Optionszeiten, die finanziell durch eine staatliche Leistung ermöglicht werden". Familienarbeit sei "Voraussetzung für den Fortbestand unserer Gesellschaft". 

Der Faktor Glaubwürdigkeit spielt für Cornelia Kaminski eine große Rolle. Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALFA) sieht darin auch einen Vorteil Laschets gegenüber seinem unterlegenen Konkurrenten Söder. Während Söders Aussagen eine "oft geringe Halbwertszeit" hätten, habe sich Laschet deutlich positioniert, indem er hervorhob, dass aus dem christlichen Menschenbild folge, dass das Leben in jeder Phase geschützt werden müsse. Das seien "klare Aussagen", die sie bei Söder nicht finde. Zur Glaubwürdigkeit gehört jedoch auch, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. 

Nicht nur das Klima, auch den Menschen bewahren

Die Union nehme für sich in Anspruch, christliche Positionen zu vertreten, doch zur "Bewahrung der Schöpfung" gehöre nicht nur das Klima, sondern auch der Mensch. "Seit Jahren beobachten wir, dass Umwelt- und Klimaschutz Wahlkämpfe und Politik beherrschen, der Schutz des menschlichen Lebens jedoch kaum eine Rolle spielt, es sei denn es ist durch das Corona-Virus gefährdet", sagt Kaminski dieser Zeitung. Die Erwartung sei, dass die Union für beides eintrete: "die Bewahrung der Schöpfung und das uneingeschränkte Recht auf Leben eines jeden Menschen, egal ob vor oder nach der Geburt, gesund oder krank, jung oder alt, behindert oder nicht." Dazu gehöre auch, "die Angriffe auf den Lebensschutz durch politische Konkurrenten zu registrieren, klar zu benennen und ihnen mit Entschiedenheit entgegenzutreten". Eine Union, die "den Schutz menschlichen Lebens nicht mehr als zu ihrem Markenkern gehörig betrachtet" würde "für Lebensrechtler uninteressant", warnt Kaminski.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Hier kostenlos erhalten!