Wozu ein Runder Tisch?

So klar es ist, dass an den viel diskutierten Runden Tisch zur Aufklärung und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen nicht nur die katholische Kirche gehört, so unklar ist es, was ein solcher Runder Tisch überhaupt soll. Expertenrunden machen Sinn, auch Ombudsstellen, Vertrauensleute, Notrufnummern – alles, was helfen kann, Kinder und Jugendliche zu schützen, begangene Verbrechen aufzuklären und die erlittenen Verletzungen der Opfer zu heilen und diese zu entschädigen.

Aber Kindesmissbrauch ist ein weit verbreitetes Phänomen in der Gesellschaft. Hätte es früher irgendeinen Nutzen gehabt, Runde Tische gegen das Schlagen von Kindern in den Familien einzurichten? Im Fall der in Heimen an Kindern und Jugendlichen begangenen Straftaten lässt sich der Kreis der möglichen und tatsächlichen Opfer sowie der verantwortlichen Institution noch einigermaßen eingrenzen. Bei der sexuellen Nötigung Minderjähriger ist das – leider – kaum mehr möglich. Nur etwa Sportverbände, Schulträger oder Kirchengemeinschaften an einen solchen Runden Tisch zu bitten hieße, Sündenböcke an den Pranger zu stellen, während das eigentliche Übel viel weiter verbreitet ist, bis in die Familien hinein.

Und was soll an diesem Runden Tisch geschehen? In dem traurigen Zusammenhang von Kindesmissbrauch gibt es vielleicht nur eine gute Nachricht: Dass die katholische Kirche in Deutschland in ihren Diözesen und Orden begonnen hat, sich dem Thema rückhaltlos zu stellen und konsequent Aufklärung sowie Vorsorge zu betreiben. Ein Runder Tisch aber, dem es nicht gelingt, das in die gesamte Gesellschaft hineinzutragen, bräuchte erst gar nicht zusammenzukommen – er wäre sinnlos und böte nur Anlass zu der Versuchung, Schuld einseitig zuzuweisen. gho

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