WM-Glosse: 70 Fragen an den „Kaiser“

Wie doch die Zeit vergeht. Damals beim WM-Sommermärchen 2006 schwebte Franz Beckenbauer im Helikopter über Deutschland und ließ sich als erfolgreicher Organisator feiern. Zwischendurch heiratete der „Kaiser“ (zum dritten Mal) und ab 2007 war er dann vier Jahre lang Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, dem höchsten Entscheidungsorgan des internationalen Fußballs. Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, so schien es, war wieder einmal dort angekommen, wo eine Lichtgestalt hingehört: ganz oben. Doch mittlerweile gibt es Flecken auf Beckenbauers bislang so reiner Image-Weste. Im Rahmen der Untersuchung über den Korruptionsverdacht gegen den WM-Ausrichter 2022 Katar sollte Beckenbauer 70 Fragen der FIFA-Ethikkommission beantworten, was der Ehrenpräsident des FC Bayern zunächst – und wie er angab wegen „mangelnder Englisch-Kenntnisse“ – ablehnte. Als die Kommission daraufhin eine 90 Tage-Sperre gegen den „Kaiser“ aussprach und ihn zur Persona non grata bei der Veranstaltung in Brasilien erklärte, lenkte Beckenbauer jedoch ein. Bis zum 27. Juni will er, so sein Management, die Fragen beantworten. Was nach einem ziemlichen Crashkurs der Sprache Shakespeares klingt. Oder darf er gar auf Deutsch antworten? Seine Berater werden ihm in jedem Fall sagen, welches Wort wo zu stehen hat. Und solange die FIFA nicht zu einem anderen Ergebnis kommt (oder Beckenbauer sich mit einer Selbstanzeige aus der Defensive spielt), gilt die Unschuldsvermutung. Auf Fußball-Philosophisch ausgedrückt: Schau' mer mal. Stefan Meetschen

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