Weiter Streit um Sterbehilfe

Berlin (DT/KNA) Die Debatte um den Gesetzentwurf des Justizministeriums zur Sterbehilfe geht weiter: Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will an der Straffreiheit von Ärzten, die an gewerbsmäßiger Sterbehilfe teilnehmen, festhalten. Dagegen warnt der Hamburger katholische Erzbischof Werner Thissen vor einer Legitimation aktiver Sterbehilfe durch den neuen Gesetzentwurf. „Wenn jemand eine besonders enge emotionale Bindung in einer persönlichen Grenzsituation hat und ein enger Freund ist, dann kann der Freund auch einmal ein Arzt sein“, schreibt die Ministerin in einem Beitrag für „Die Welt“ (Montag). In der gleichen Ausgabe der „Welt“ kritisiert der Hamburger Erzbischof Thissen den Entwurf: Der vorgelegte Text gehe zwar das Problem der gewerbsmäßigen Förderung von Sterbehilfe an, erfasse aber nicht die Organisationen, die in Deutschland bereits Hilfe zum Suizid anbieten, aber nicht gewinnorientiert arbeiten und deshalb nicht unter den Straftatbestand „gewerbsmäßig“ fallen. „Schon jetzt werben einige damit, dass sie von dem neuen Gesetz gar nicht betroffen sind. Dann ist aber abzusehen, dass solche Organisationen sich durch den Gesetzentwurf sogar noch legitimiert fühlen“, so Thissen. Ein Blick auf die Schweiz zeige, dass der verharmlosende Umgang mit Sterbehilfeorganisationen sowohl die Zahl der Selbsttötungen gesteigert als auch das Spektrum ihrer Begründungen erweitert habe. Der Gesetzentwurf berge die Gefahr, dass andere als „gewerbsmäßige“ Hilfen zur Selbsttötung immer mehr als normal angesehen würden. Alte und kranke Menschen dürften nicht den Eindruck haben müssen, anderen zur Last zu fallen, hebt Thissen hervor. In Notsituationen sei nicht die Hilfe zur Selbsttötung erforderlich, sondern Zuwendung und Wertschätzung. Es braucht große Wachsamkeit, damit unser Menschenbild nicht immer mehr von Machbarkeit und Nützlichkeit geprägt wird“, so Thissen. „Wir sind gut beraten, alles zu tun, damit sich eine Kultur des Lebens bis zuletzt entfalten kann. Der Gesetzentwurf ist dazu kein geeignetes Mittel.“

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