Was andere Zeitungen schreiben: Benedikt XVI. und Kardinal Law: Absurd zölibatäre Dickköpfe: Pädophilie und Zölibat nicht in einen Topf werfen: Legionäre Christi zwischen Verwirrung und Vertrauen

Das „Time Magazine“ (USA) sieht Parallelen zwischen den deutschen Missbrauchsfällen und den früheren Vorgängen in Boston:

Es ist schwer zu sagen, was der Papst tun oder was geschehen wird. Das Schicksal von Kardinal Law bietet keine wirklichen Parallelen, obwohl Kardinal Ratzinger in München dieselbe Position hatte wie Law in Boston. Law war ein hoher Kirchenfürst, als der Skandal in Boston ausbrach, aber Ratzinger ist jetzt der Papst. Niemand kann erwarten, dass der Papst zurücktritt – als Kurienkardinal und als Papst ist Benedikt mehr als viele seiner Kollegen auf den sexuellen Missbrauch von Seiten des Klerus eingegangen. Dennoch ärgert es die Gläubigen, dass die Kirche schweigt.

Die gefällten, durch das Böse am Boden zerschmetterten Bäume machen mehr Lärm als der große Wald, der still um sie herum wächst. Die Reinheit, die Benedikt XVI. im Priester-Jahr wollte, ist dem unersättlichen Blick der Öffentlichkeit und der Medien ausgesetzt. Erbittert wurde, wie Pater Lombardi sagte, „in Regensburg und München nach Elementen gesucht, um den Papst persönlich in die Missbrauchsfrage zu verwickeln“. Und scheinbar wird mit einer gewissen Genugtuung versucht, das Priestertum selbst zu besudeln – als gäbe es insgeheim andere Rechnungen zu begleichen mit diesen Männern, die auf so dickköpfige Weise anders sind, so absurd zölibatär, so überhaupt nicht bereit, sich der gängigen Mentalität anzupassen.

Es ist wichtig, zwei Fragen voneinander zu trennen. Die Pädophilie erfordert den Kampf gegen ein schweres Verbrechen und die Ausarbeitung von Strukturen, die die Kirche zu einem sicheren Ort für Minderjährige machen. Beim Zölibat geht es um die innerkirchliche Auseinandersetzung mit einer berechtigten Frage. Man sollte nicht immer wieder denselben Fehler begehen, der allzu oft in der Kirche laut wird, Pädophilie mit Homosexualität zu verwechseln.

In den acht Monaten der Apostolischen Visitation haben einige Priester den Visitatoren die Dinge angezeigt, die sie für falsch halten. Andere haben die Kongregation verlassen und wurden in den Diözesanklerus inkardiniert. Andere haben Maciels Erbe in Schutz genommen. Andere sind verwirrt. Wieder andere vertrauen darauf, dass die Ordensgemeinschaft, die Teil ihres Lebens ist und die sie auch weiterhin lieben, auf neuen Grundlagen zu neuem Leben erweckt wird.

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