Was andere Zeitungen schreiben: Aus Katakomben hervorkommen: In grenzenloser Liebe vereint: Martyrium und Osterlicht: Ja zu Jesus – nein zum Kreuz?

Der vom Papst getaufte Journalist Magdi Allam schreibt im „Corriere della sera“:

In Italien gibt es Tausende, die zum Islam übergetreten sind und ihren neuen Glauben in Frieden leben. Aber es gibt auch Tausende von Muslimen, die zum Christentum übergetreten und gezwungen sind, ihren neuen Glauben zu verheimlichen – aus Angst, von islamischen Extremisten ermordet zu werden. (...) Die Geste des Papstes und mein Zeugnis sollen sie davon überzeugen, dass der Moment gekommen ist, aus dem Dunkel der Katakomben hervorzukommen und ihren Willen öffentlich zu bekunden. Wenn wir hier bei uns in Italien nicht allen die volle Religionsfreiheit gewährleisten können, wie sollen wir dann die Verletzung dieser Freiheit anderswo in der Welt glaubwürdig anklagen?

Der Priester Rhageed Ganni sagte: „Die Christen von Mossul sind keine Theologen; einige sind Analphabeten. Aber eine Wahrheit ist in uns verwurzelt: Ohne die sonntägliche Eucharistie können wir nicht leben. Die Terroristen glauben, unseren Leib oder unseren Geist töten zu können. Sie wollen uns Angst machen, aber am Sonntag sind die Kirchen immer voll. (...) Wenn ich die Eucharistie erhebe und sage: ,Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt‘, dann spüre ich Seine Kraft in mir. Wenn ich die Hostie in Händen halte, dann hält in Wirklichkeit Er mich und uns alle, vereint uns in Seiner grenzenlosen Liebe“. Letztes Jahr wurde er in Mossul erschossen.

In einer Welt, die davon träumt, dass alles einfach ist, ohne Schwierigkeiten, ist das Kreuz Christi und das der Märtyrer der „Preis“, damit das Osterlicht hell erstrahlen kann. In einer Welt – und einer Kirche –, in der die Versuchung herrscht, „miteinander auszukommen“, alles zu relativieren, die Wasser nicht zu trüben, nett und freundlich zu sein, erinnert das Opfer der Märtyrer daran, dass die Weisheit des Kreuzes letztlich mit der Weisheit der Welt im Streit liegt. Daher bleibt das Martyrium – so wichtig Dialog, Inkulturation, Freundschaft und Dienst auch sind – stets einer der wesentlichen Züge der christlichen Verkündigung.

Das Christentum erlebt in unseren Tagen eine Zeit des „Ja zu Jesus und Nein zum Kreuz“. Der Mensch strebt natürlich nach einem segensreichen Leben im Herrn. Aber das bedeutet weder Abwesenheit noch Wegnahme des Kreuzes. Das Kreuz, jede schmerzliche Prüfung wird unserer Tage als Unsegen oder als Abwesenheit Gottes im Leben des Christen betrachtet. Der Christ darf nicht vergessen, dass das Kreuz eine Besonderheit seines Glaubens ist, der nicht nur auf dem Tod, sondern auch auf der Auferstehung Jesu gründet.

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