Warten auf den Richterspruch

Kommt es zur Liberalisierung des Namensrechts, droht eine neue Unübersichtlichkeit

Von Til Schneider

Manchmal lohnt es, das Undenkbare zu denken. Deshalb stellen wir uns mal vor – rein theoretisch natürlich – TSG würde SLS heiraten. Schon klar, das ist völlig ausgeschlossen. Aber wir sprachen ja davon, etwas Undenkbares zu tun. Also noch einmal, wie gesagt – alles rein theoretisch. Man stelle sich vor, Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) würde Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) heiraten. Neben zahlreichen Folgen, die hier im Einzelnen nicht thematisiert werden können, weil das den Rahmen jeder Glosse sprengen würde, hätte diese Verbindung auch ein Namensproblem. Ganz gleich, ob der hessische Sozialdemokrat dann Schäfer-Gümbel-Leutheusser-Schnarrenberger hieße oder die bayerische FDP-Frontfrau Leutheusser-Schnarrenberger-Schäfer-Gümbel, es wäre absolut offensichtlich, dass dieser Name auf kein Wahlplakat passt. Schon aus diesem Grund wird es derartige Bindestrich-Namens-Monster in der Politik nie geben. Das kann freilich Privatpersonen nicht daran hindern, sich an einem XXL-Namenszug zu erfreuen.

So möchte zum Beispiel Frau Thalheim ihrem Talheim gerne ein Kunz-Hallstein hinzufügen, um künftig als Frau Thalheim-Kunz-Hallstein angesprochen zu werden. Doch das ist nicht so einfach. Derzeit ist es untersagt einem ehelichen Doppelnamen einen Begleitnamen hinzuzufügen. Dagegen hat Frau Thalheim Verfassungsbeschwerde eingelegt. Nun prüft das Verfassungsgericht, ob das geltende Verbot von Dreifachnamen in der Ehe gegen das Grundgesetz verstößt. Frau Thalheim wird in Karlsruhe von einem Rechtsanwalt Namens Zuck vertreten. Dessen Kanzlei würde eine Ehefrau Namens „Ruck“ sicher zusätzliche Attraktivität verleihen. Doch eine Ruck-Zuck-Entscheidung wird es in Karlsruhe nicht geben. Die Verfassungsrichter urteilen erst in drei Monaten. Das ist konsequent. Es geht ja um drei Namen.

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