Athen/Ankara

Waffenklirren in der Ägäis

Die NATO-Partner Griechenland und Türkei schwanken zwischen Dialog und Kollisionskurs. Dabei stehen EU und USA klar an der Seite Athens.
Türkischer Außenminister zu Besuch in Brüssel
Foto: Stephanie Lecocq (EPA Pool/AP) | Um Deeskalation bemüht: Außenminister Mevlüt Çavusoglu (links) mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell in Brüssel.

Im vergangenen Jahr wäre der Streit um die Erdgas-Vorkommen im östlichen Mittelmeer beinahe militärisch eskaliert. Damals setzte Ankara auf Eskalation, doch Athen gelang es, die gesamte EU auf seine Linie einzuschwören. Griechenland wirft der Türkei vor, in Meeresregionen nach Erdgas zu suchen, in denen nur Griechenland das Recht auf Ausbeutung habe.

Athen setzt auf Signale der Stärke

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Während nun Unterhändler Griechenlands und der Türkei am Montag friedlich berieten, setzt Athen gleichzeitig auf Signale der Stärke: Vor wenigen Tagen beschloss das griechische Parlament die Ausweitung der eigenen Hoheitsgebiete im Ionischen Meer. Eine parallele Erweiterung in der Ägäis ist im Gesetzestext vorbereitet. Dies, obwohl Ankara seit 1995 klarstellte, dass eine Ausweitung griechischer Hoheitsgebiete in der Ägäis als Kriegsgrund betrachtet werde.

Auch darauf gibt sich Griechenland vorbereitet: Athen bestellte in Frankreich 18 Kampfbomber vom Typ Rafale im Wert von 2,3 Milliarden Euro. Auch der Kauf von Fregatten und U-Booten wird diskutiert. Dieses mit 11,5 Milliarden Euro größte griechische Aufrüstungsprogramm seit Jahrzehnten wurde – inmitten der Corona- und Wirtschaftskrise – vom Parlament in Athen schon gebilligt. Griechenland, vor einem Jahrzehnt pleite und von den EU-Partnern gerettet, gönnt sich Militärausgaben in Höhe von mehr als 2,5 Prozent des BIP, um dem NATO-Partner Türkei die Stirn zu bieten.

Ermutigt wird Athen vom neuen US-Außenminister Antony Blinken, der von einer „US-griechischen Sicherheitspartnerschaft“ spricht und davon, Washingtons Interesse im östlichen Mittelmeer liege in der Vertiefung der Partnerschaft mit Griechenland, Zypern und Israel. Ankara erwähnte er dabei nicht.  DT/sba

Lesen Sie einen ausführlichen Hintergrund zur Eskalation im östlichen Mittelmeer in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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Stephan Baier

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