Vorsichtige Hoffnung

Die Opposition in Simbabwe reklamiert den Wahlsieg für sich – Spekulationen über ein Ende Mugabes – Jetzt kommt den Sicherheitskräften eine zentrale Rolle zu

In Makumbi, einer Missionsstation der Jesuiten in Simbabwe, gibt es ein Kinderdorf. In jedem der zehn Häuser lebt eine Mutter mit zwölf Waisenkindern. „Die Versorgung der 120 Kinder wird immer schwieriger“, sagt Heribert Müller. Der junge Jesuit leitet die Missionsstation Makumbi mit dem Kinderdorf, zwei Schulen und Internaten sowie einer Kirche mit dreißig Außenstationen. „Simbabwe ist zu einem Armenhaus geworden, weil ein alter Mann das Land im Würgegriff hat“, klagt der Jesuit.

Hinweise auf einen möglichen Rückzug des Präsidenten

Doch nun scheint das Land dem Würgegriff des greisen Tyrannen zu entgleiten. Nach fast drei Jahrzehnten an der Regierung steht der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, jetzt möglicherweise vor dem Ende seiner Macht. Angesichts der schleppenden Stimmenauszählung der Wahlen verdichten sich Hinweise auf seinen möglichen Rückzug. Berichte über Gespräche zwischen Regierung und Opposition über einen Machtwechsel wurden indessen von beiden Seiten dementiert. Die Opposition in Simbabwe erklärte sich bereits zum Sieger der Parlaments- und Präsidentenwahlen. Das offizielle Ergebnis stand allerdings auch am Mittwochmorgen noch immer aus.

Zuvor hatte es aus Oppositionskreisen geheißen, Mugabe sei grundsätzlich zum Rücktritt bereit. Der britische Sender BBC berichtete, Vertreter Mugabes, der Militärführung sowie der Opposition führten Gespräche, eine entsprechende Vereinbarung stehe kurz vor dem Abschluss. Der seit 28 Jahren regierende Mugabe (84) hatte sich bei der Wahl am vergangenen Samstag erneut um das Mandat beworben.

Eine zentrale Rolle kommt in dieser kritischen Situation den Sicherheitskräften zu. Vor allem sie haben es in der Hand, Mugabe aus dem Sessel der Macht zu drängen. Unklar ist, inwieweit er sich noch auf sie verlassen kann. Während die älteren ranghohen Offiziere schon vor der Wahl dem früheren Freiheitskämpfer ihre Loyalität aussprachen, ist die Solidarität der jüngeren Offiziere nicht unbedingt garantiert.

Bei der Parlamentswahl lag die regierende Zanu-PF-Partei von Mugabe nach den nur langsam veröffentlichten offiziellen Ergebnissen nach Auszählung von 130 der 210 Wahlkreise mit 63 Mandaten knapp vorn. Die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai kam demnach bisher auf 62 Mandate, die MDC-Splitterfraktion von Arthur Mutambara auf fünf Sitze.

Bei der Präsidentenwahl lag Tsvangirai nach Prognosen des unabhängigen simbabwischen Wahlunterstützungsnetzwerks dagegen mit 49,4 Prozent klar vor Mugabe mit 41,8 Prozent. Der Verband besteht aus fast vierzig kirchlichen und bürgerrechtlichen Gruppen. Mugabes Ex-Finanzminister Simba Makoni lag abgeschlagen bei 8,2 Prozent. Sollte sich das bestätigten, müsste Mugabe in eine Stichwahl.

„Im Moment ist die Lage in Harare noch sehr ruhig und friedlich“, berichtet ein Jesuitenpater aus der Hauptstadt. „Es liegt eine Art Erwartung in der Luft. Das Gefühl, das bei den Menschen im Moment am verbreitetsten zu sein scheint, ist vorsichtige Hoffnung. Die wichtigste Frage lautet: Wie werden sich die Sicherheitskräfte verhalten?“ Demonstrationen gebe es bislang nicht, stattdessen gespannte Erwartung. „Die bisherigen Wahlergebnisse deuten auf einen Wechsel hin“, so der Jesuit. „Die Leute warten auf den Wechsel, hin zu einer demokratischeren Gesellschaft, zu einem Ende der Repression, zu Meinungs- und Versammlungsfreiheit, zu einer offenen Gesellschaft mit mehr Respekt für die Menschenrechte. Die Kirche hat sich, glaube ich, in den letzten Jahren in ihren Hirtenbriefen sehr deutlich geäußert, und viele Katholiken, aber auch Nicht-Katholiken, wissen das sehr zu schätzen.“

Zunächst hatte kaum jemand ernsthaft damit gerechnet, dass die Wahlen in Simbabwe den Volkswillen unverfälscht widerspiegeln. Das Regime hatte schließlich alles getan, um den Verdacht des Wahlbetrugs nahezulegen. Westliche Beobachter waren zu den Wahlen vom 29. März nicht zugelassen. Und die Beobachter aus Ländern der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika können kaum als unabhängig angesehen werden, da ihre Regierungen Mugabe stets die Stange gehalten haben.

Robert Mugabe – ist es das Ende einer Legende? Als er 1980 die Macht übernahm, war er noch der Liebling des Westens, Garant für Demokratie und Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß. Aber in den 28 Jahren an der Macht ist Mugabe vom Musterknaben zum Autokraten und Diktator geworden. Robert Mugabe wurde am 21. Februar 1924 als Hirtensohn in einer Missionsstation im Nordwesten des Landes geboren. Der Jesuitenschüler wurde zum Grundschullehrer ausgebildet und ging zunächst nach Ghana, bevor er 1960 nach Simbabwe zurückkehrte. Er widmete sich nun ganz dem Unabhängigkeitskampf und saß von 1964 bis 1974 im Gefängnis. Nach seiner Entlassung avancierte er zum Führer der verbotenen „Zimbabwe African National Union“ (Zanu) und kämpfte vom Nachbarland Mosambik aus gegen die weiße Minderheitsregierung von Ian Smith in Rhodesien, die sich 1965 gegen den Widerstand Großbritanniens für unabhängig erklärte. Erst 1979 kam es auf einer Konferenz in London durch die Zusicherung freier Wahlen zum Ende des fünfjährigen Bürgerkrieges.

Nur ohne seinen Diktator wird das Land eine Zukunft haben

Mitte der achtziger Jahre hatte Mugabe sein wahres Gesicht gezeigt. Gedrillt von nordkoreanischen Söldnern richtete die sogenannte 5. Brigade in den Provinzen Nord- und Südmatabeleland unter der von seinem Bürgerkriegsrivalen Joshua Nkomo und der „Zimbabwe African Peoples Union“ (Zapu) geführten Volksgruppe der Ndebele Massaker an, die 30 000 Menschenleben kosteten. Schockiert von diesen Exzessen gab die Zapu auf und verschmolz schließlich mit der „Zimbabwe African National Union“ zur Staatspartei Zanu-PF („Patriotic Front“).

Die Repression richtete sich nun vor allem gegen die weißen Farmer. Unabhängige Medien bekamen einen Maulkorb verpasst, Verwaltungen, Justiz, Polizei und Militär wurden mit Günstlingen des Regimes durchsetzt. Die „Kriegsveteranen“, in Wahrheit Mugabe ergebene junge Kriminelle, terrorisierten die Landwirte und die schwarzen Farmarbeiter. Simbabwe wurde schließlich zum Armenhaus.

Wenn Simbabwe eine Zukunft haben will, dann nur ohne seinen Diktator. Ein Machtverzicht Mugabes wäre nicht nur für Simbabwe ein gutes Signal. Es hätte weit über dessen Grenzen hinaus Bedeutung, denn es zeigte an, dass afrikanische Gesellschaften aus sich selbst heraus positive Kräfte entwickeln können, die den Menschen wieder Lebensperspektiven eröffnen.

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