Vincent Lambert beigesetzt

Die Eltern des französischen Wachkoma-Patienten verklagen nun die Ärzte.
Eltern von Vincent Lambert wollen Ärzte verklagen
Foto: Thibault Camus (AP) | Viviane Lambert (Mitte) und Pierre Lambert (links), Eltern des Wachkomapatienten Vincent Lambert. Die Eltern Lamberts werfen den Ärzten nun vor, ihren Sohn ermordet zu haben und reichten Klage ein.

Der am 11. Juli im Universitätsklinikum Reims verstorbene französische Wachkoma-Patient Vincent Lambert ist kürzlich im Kreise seiner Familie beigesetzt worden. Wie die katholische Tageszeitung „La Croix“ berichtet, fand die Beisetzung im nordostfranzösischen Longwy statt, wo sich der ehemalige Krankenpfleger und seine Frau Rachel kennengelernt hatten.

Eltern werfen den Ärzten vor, ihren Sohn ermordet zu haben

Am 2. Juli hatte das Lambert behandelnde Ärzteteam nach einem jahrelangen Gerichtsstreit die künstliche Ernährung und Wasserversorgung des 42-Jährigen eingestellt. Neun Tage später stellte es seinen Tod fest. Die Eltern Lamberts werfen den Ärzten nun vor, ihren Sohn ermordet zu haben und reichten Klage ein. „Es ist eine getarnte Ermordung, Sterbehilfe“, zitierten französische Medien Lamberts Vater Pierre. Die Reimser Staatsanwaltschaft hatte daraufhin eine Untersuchung des Falls eingeleitet und eine Obduktion angeordnet.

An dem Schicksal des Wachkoma-Patienten hatten Menschen weltweit Anteil genommen. Lambert war nach einem schweren Motorad-Unfall im Jahr 2008, bei dem er sich eine Querschnittslähmung zuzog, in ein Wachkoma gefallen. Er besaß keine Patientenverfügung. Während die Eltern darauf drangen, dass das Leben ihres Sohnes erhalten werde, argumentierte Lamberts Frau, ihr Mann habe lebenserhaltende Maßnahmen für sich abgelehnt und drang auf ein Ende der künstlichen Ernährung.

Kritiker sprechen von ethisch nicht zu rechtfertigender Form von Euthanasie

Bei dem Rechtsstreit, der alle Instanzen bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte beschäftigte, entschied am Ende der französische Kassationshof, die Ärzte seien befugt, die künstliche Ernährung Lamberts einzustellen. Seit 2016 erlaubt das sogenannte Claeys-Leonetti-Gesetz Ärzten in Frankreich, Patienten bis zum Eintritt des Todes zu sedieren, wenn aus medizinischer Sicht keine Besserung zu erwarten ist. Kritiker sehen darin, insbesondere wenn eine derart tiefe Sedierung gleichzeitig mit dem Entzug der künstlichen Ernährung und der Wasserversorgung des Patienten verbunden wird, eine Form von Euthanasie, die ethisch nicht gerechtfertigt werden könne.

"Möge Gott der Vater Vincent Lambert in seinen
Armen willkommen heißen. Lasst uns keine
Zivilisation aufbauen, die Menschen beseitigt,
deren Leben unserer Meinung nicht mehr lebenswert ist"
Papst Franziskus

Auch Papst Franziskus und der Vatikan hatten sich in dem Drama immer wieder zu Wort gemeldet und dabei stets Partei für Lambert ergriffen. Zuletzt äußert sich der Heilige Vater am 11. Juli, dem Todestag Lamberts. Über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ schrieb er: „Möge Gott der Vater Vincent Lambert in seinen Armen willkommen heißen. Lasst uns keine Zivilisation aufbauen, die Menschen beseitigt, deren Leben unserer Meinung nicht mehr lebenswert ist: Jedes Leben ist wertvoll, immer.“

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Die Päpstliche Akademie für das Leben und der Rat für Laien, Familie und Leben betonten, der vegetative Status eines Komapatienten beeinträchtige weder dessen Menschenwürde noch sein Recht auf Leben. Solange der Organismus die verabreichten Stoffe aufnehmen könne und die Personen dadurch keine unerträglichen Schmerzen oder Schädigungen erlitten, besitze auch eine künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr niemals den Charakter einer aussichtslosen Therapie, die auch eingestellt werden könne. Vielmehr müsse die Aussetzung einer solchen Pflege als ein „Im-Stich-Lassen des Kranken“ betrachtet werden.

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