Vatikanstadt

Vatikan und USA: Die Zeichen stehen auf Entspannung

US-Außenminister Blinken trifft den Papst „in herzlicher Atmosphäre“. Und die US-Bischöfe schlagen in der Kommuniondebatte versöhnliche Töne an. Steht ein neues Tauwetter ins Haus?
US-Außenminister Blinken trifft Papst im Vatikan
Foto: - (Vatican Media/AP) | Antony Blinken, Außenminister der USA, und Papst Franziskus tauschen Geschenke aus. Blinken machte im Rahmen seiner einwöchigen Europareise auch im Vatikan Halt.

Mit dem amerikanischen Außenminister Antony Blinken hat am Montag der erste hochrangige Vertreter der Regierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden den Vatikan besucht. Eine private Führung durch die Sixtinische Kapelle stand ebenso auf dem Programm wie eine 40-minütige Audienz bei Papst Franziskus. Auch wenn nur wenig über das Treffen an die Öffentlichkeit drang: Beide Seiten betonten die herzliche Atmosphäre, insbesondere Blinken zeigte sich später tief beeindruckt von Franziskus und lobte dessen Führungsstärke im Umgang mit der Corona-Krise, dem Klimawandel oder Migration. 

Umgang mit China sorgte für Spannungen

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Daran wird deutlich, wo Blinken – und damit auch die Biden-Regierung insgesamt – die künftigen Felder der Zusammenarbeit mit dem Vatikan sieht. Auf den ersten Blick mag solch eine Kooperation selbstverständlich erscheinen. Nach den vier Jahren der Trump-Präsidentschaft muss aber hinsichtlich der amerikanisch-vatikanischen Beziehungen erst wieder ein gehöriges Maß an Aufbauarbeit geleistet werden. Reserviert, im besten Falle förmlich-distanziert war das Verhältnis unter Bidens Vorgänger Trump. Insbesondere der ehemalige Außenminister Mike Pompeo leistete seinen Beitrag zur „kleinen Eiszeit“: Pompeo kritisierte den Vatikan noch im vergangenen Jahr heftig für einen zu laxen Umgang mit China und warnte davor, moralische Autorität aufs Spiel zu setzen. Das US-Außenministerium teilte nach Blinkens Besuch mit, man habe die heikle Menschenrechtslage in China angesprochen. Ob sich der Papst und Blinken auch zu weiteren Themen mit Konfliktpotenzial austauschten, wie etwa dem Lebensschutz, war jenseits der vatikanischen Mauern nicht zu vernehmen. Unterm Strich standen die Zeichen auf Entspannung und Deeskalation. 

Ähnliche verhielt es sich jüngst auch mit der amerikanischen Bischofskonferenz: Seit Monaten stellt die Debatte um den Kommunionempfang katholischer Politiker, die Abtreibung befürworten, das alles dominierende Thema dar. Das Lehrdokument zur Eucharistie, das die Bischöfe bis November ausarbeiten wollen, war dabei allgemein als Versuch gedeutet worden, ein Zeichen gegen den Katholiken Biden zu setzen, der insbesondere von zahlreichen konservativen Oberhirten aufgrund seiner Abtreibungspolitik kritisch gesehen wird. 

Der Vatikan wird Sanktionierung Bidens nicht billigen

Doch auch hier waren zuletzt auch deeskalierende Worte zu vernehmen: In einer schriftlichen Klarstellung im Frage-Antwort-Format verneinten die Bischöfe, dass man in Form des Lehrdokuments zur Eucharistie einen nationalen Leitfaden veröffentlichen wolle, um Politikern die Kommunion vorzuenthalten. Vielmehr sei die Absicht, ein „klares Verständnis“ für die kirchliche Lehre zu schaffen und so das Bewusstsein unter den Gläubigen zu schärfen, wie die Eucharistie „unser Leben verändern und uns dem Schöpfer und dem Leben, das er für uns vorgesehen hat, näherbringen kann“.

Das Lehrdokument solle weder disziplinarisch sein, noch ziele es auf eine bestimmte Person oder Personengruppe ab. Der Vatikan habe die Bischöfe zum Dialog und breiten Meinungsaustausch aufgefordert, hieß es in der Klarstellung, die bereits auf den 21. Juni datiert ist. Die Frühjahrsvollversammlung, bei der eine breite Mehrheit der Bischöfe für ein Lehrdokument zur Eucharistie gestimmt hatte, sei der erste Teil jenes Prozesses gewesen. Zusammenarbeit und Austausch der Bischöfe untereinander seien der Schlüssel bei der Ausarbeitung des Dokuments.

All das darf man nicht überbewerten – entscheidend wird sein, wie der Wortlaut eines solchen Dokuments am Ende tatsächlich ausfallen wird. Ein Schreiben, das allzu offensichtlich als Sanktionierung Bidens zu werten ist, wird der Vatikan ohnehin nicht billigen. Stattdessen wird Franziskus den Dialog in den Vordergrund rücken und die Gemeinsamkeiten betonen, nicht das Trennende. So wie nun beim Treffen mit Außenminister Blinken. Und womöglich demnächst auch gegenüber Joe Biden selbst. Im Oktober werden die beiden zum ersten Mal seit Bidens Vereidigung zusammentreffen.

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