USA und Israel: Krisengespräch

Tel Avib/Rom (DT/dpa/KNA) Israel und die USA gehen nach ihrem offen ausgetragenen Streit über den Siedlungsbau wieder aufeinander zu. US-Vizepräsident Joe Biden und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben nach israelischen Medienberichten vom Mittwoch längere Zeit miteinander telefoniert, um die Spannungen zu beseitigen. Auslöser der Krise war eine Ankündigung des israelischen Innenministeriums ausgerechnet während des Besuchs von Biden in Israel, 1 600 neue Wohneinheiten im arabischen Ostjerusalem bauen zu wollen. Biden verurteilte diese Entscheidung umgehend. Die Bemühungen um eine Annäherung werden von Störsignalen aus dem rechten politischen Lager in Israel begleitet. Rechte Aktivisten wollen überall in Israel Plakate mit der Aufschrift anbringen, dass US-Präsident Barack Obama ein „Mann der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO“ sei. Darüber hinaus warf der Schwager von Ministerpräsident Netanjahu, Hagai Ben-Artzi, Obama Anti-Semitismus vor. „Bedauerlicherweise haben wir einen anti-semitischen Präsidenten in Amerika“, sagte Ben-Artzi. Netanjahu distanzierte sich nach Angaben seines Büros umgehend. Der Ministerpräsident sei vollständig anderer Meinung, heißt es. Trotz der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Jerusalem glaubt der Kustos des Heiligen Landes, Pierbattista Pizzaballa, nicht an ein neues Aufflammen des Palästinenserkonflikts. Das Klima in der Heiligen Stadt sei zwar „ziemlich angespannt“, sagte der Franziskaner dem bischöflichen italienischen Pressedienst SIR am Dienstag. „Aber ich glaube, dass niemand hier eine neue Intifada anfangen will, auch wenn der Begriff schon die Runde macht.“ Im Pilgerbetrieb gebe es keine Einschränkungen. Auch für ein Projekt 68 neuer Wohnungen für christliche Familien sehe er ungeachtet des Streits um jüdische Wohnungsbaubauvorhaben im Nordosten Jerusalems keinerlei Schwierigkeiten, so Kustos Pizzaballa. (Siehe auch Seite 2)

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