US-Wahl: Katholiken gespalten

Trump oder Clinton? Bei US-Katholiken gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen ethnischen Gruppen. Von Maximilian Lutz
Hillary Clinton speaks at 60th Anniversary of the Montgomery Bus
Foto: dpa | Katholische Wähler in den USA sind noch unentschlossen, ob der Republikaner Trump oder die Demokratin Clinton aus christlicher Perspektive das geringere Übel ist.
Hillary Clinton speaks at 60th Anniversary of the Montgomery Bus
Foto: dpa | Katholische Wähler in den USA sind noch unentschlossen, ob der Republikaner Trump oder die Demokratin Clinton aus christlicher Perspektive das geringere Übel ist.

Washington (DT) Angesichts des jüngsten Attentats von Nizza, bei dem mindestens 84 Menschen starben, hat der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump seinen Wahlkampf unterbrochen. Der 70-jährige Unternehmer, der auf dem am kommenden Montag beginnenden Parteitag der Republikaner in Cleveland offiziell zum Präsidentschaftskandidaten nominiert wird, hatte ursprünglich angekündigt, bis Freitagnachmittag seinen Vizepräsidentschaftskandidaten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nun schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, die Pressekonferenz zur Ernennung seines Kandidaten zu verschieben.

„Meine Gebete und Anteilnahme gehen an die Opfer und die Familien der schrecklichen Tragödie in Nizza. Wir stehen euch in jeder Hinsicht bei!“, so Trump. Auch wenn führende amerikanische Politiker das Attentat einstimmig verurteilten, bleiben die USA ein gespaltenes Land: Das zeigt auch eine jetzt vorgestellte Studie des in Washington, D.C. ansässigen „Pew Research Center“, bei der Wähler unterschiedlicher Konfessionen zu den Präsidentschaftskandidaten befragt wurden.

Der Studie zufolge unterstützen momentan 56 Prozent der amerikanischen Katholiken die demokratische Bewerberin Hillary Clinton, 39 Prozent hingegen ihren Kontrahenten Trump. Zudem zeigt sich, dass zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen katholischer Wähler eine große Kluft verläuft: 50 Prozent der weißen Katholiken sind Trump zugeneigt, 46 Prozent Frau Clinton. Unter den Hispanics sprechen sich 77 Prozent der Katholiken für Frau Clinton aus und nur 16 Prozent für Trump.

Greg Smith, einer der Autoren der neuen Studie, definiert weiße Katholiken als sogenannte „swing voters“ – Wechselwähler, die sich noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt haben und deren Stimmverhalten wahlentscheidend sein kann. Katholiken machen etwa 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten aus, zwei Drittel von ihnen sind Weiße.

Die Studie fand auch heraus, dass Trump bei den weißen Evangelikalen deutlich vor seiner Kontrahentin Clinton liegt. 78 Prozent der Befragten würden für den Milliardär stimmen, nur 17 Prozent für Frau Clinton. Sollten weiße Evangelikale bei den Präsidentschaftswahlen im November tatsächlich mit dieser überwältigenden Mehrheit für Trump votieren, würde er besser abschneiden als Mitt Romney. Der republikanische Kandidat von 2012 kam bei dieser Wählergruppe auf 73 Prozent. der Anteil weißer Evangelikaler an der gesamten registrierten US-Wählerschaft liegt bei etwa einem Fünftel.

Während Trump bei den weißen Evangelikalen dominiert, liegt Frau Clinton in der Gunst der schwarzen Protestanten eindeutig vor ihrem republikanischen Konkurrenten. Aus dieser Gruppe sprechen sich 89 Prozent für die ehemalige Außenministerin aus, nur acht Prozent für Trump. Und auch in der Gruppe der Konfessionslosen ist Frau Clinton die Favoritin: 67 Prozent würden der Umfrage zufolge für sie stimmen, 23 Prozent für Trump.

Was die Themen angeht, die im Wahlkampf 2016 für die Bürger von größter Bedeutung sind, gibt es kaum Unterschiede zwischen Katholiken und der Bevölkerung insgesamt. Am häufigsten wurden Wirtschaft, Terrorismus, die Gesundheitsvorsorge und Einwanderung genannt. 52 Prozent der weißen Katholiken gaben an, Trump könne besser mit der Einwanderungsfrage umgehen (41 Prozent Clinton), während 74 Prozent der Hispano-Katholiken Frau Clinton die größeren Kompetenzen auf diesem Gebiet zusprachen (19 Prozent Trump).

„In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl Papst Franziskus und die amerikanischen Bischöfe eindeutig Stellung zur Einwanderungsfrage bezogen haben, ist dieses Ergebnis sehr interessant“, meinte Smith. Es zeige, dass die Katholiken in den USA auch bei den Themen ethnisch gespalten sind, zu denen hochrangige Kirchenvertreter ihre Meinung deutlich zum Ausdruck gebracht haben.

Die Studie des Pew Research Center, eines parteiunabhängigen Meinungsforschungsinstituts, wurde landesweit zwischen Mitte und Ende Juni durchgeführt.

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