Washington/Vatikanstadt

US-Kommuniondebatte: Streit unter Bischöfen spitzt sich zu

Die Frage, ob katholische Politiker zur Kommunion zugelassen werden sollen, wenn sie Abtreibungen befürworten, spaltet die US-Bischöfe derzeit wie kaum eine andere. Trotz einer Intervention von 60 Bischöfen werden die US-Oberhirten wohl bald eine Entscheidung treffen.
Debatte um Kommunionempfang
Foto: Fabian Strauch (dpa) | Wer von den Bischöfen dagegen sei, ein Lehrschreiben zum Kommunionempfang zu verfassen, könne bei der Vollversammlung im Juni dementsprechend abstimmen, so Erzbischof Cordileone.

Unterschiedliche Auffassungen zu der Frage, ob katholische Politiker, die Abtreibungen befürworten, zur Kommunion zugelassen werden sollen, sorgen weiter für Streit unter den amerikanischen katholischen Bischöfen. Derzeit deutet dennoch alles darauf hin, dass die US-Bischofskonferenz im Rahmen ihrer digitalen Vollversammlung Mitte Juni darüber abstimmen wird, ob ein Lehrdokument zum Kommunionempfang verfasst werden soll, das eine Empfehlung in der Frage abgeben würde. Solch ein Dokument müsste dann bei der nächsten Vollversammlung im November von einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe angenommen werden, um wirksam zu werden.

60 Bischöfe wollen Abstimmung verschieben

Für heftige Kritik von Seiten zahlreicher konservativer US-Oberhirten hatten jüngst Berichte über einen Brief von mehr als 60 Bischöfen gesorgt, in dem sie den Konferenzvorsitzenden, Erzbischof José Gomez, dazu aufforderten, die Entscheidung über ein Dokument zum Kommunionempfang zu vertagen.

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Einer der prominentesten Kritiker jenes Briefes, über den am Dienstag zuerst das katholische Investigativ-Portal „The Pillar“ berichtet hatte, ist der Erzbischof von San Francisco, Salvatore Cordileone. Er bedauere die „zunehmende öffentliche Feindseligkeit“ unter den US-Bischöfen zutiefst, erklärte er, und sprach von „Hinterzimmermanövern“, mit denen versucht werde, die üblichen und bewährten Verfahren der Bischofskonferenz zu beeinträchtigen. Diejenigen Bischöfe, die kein Dokument zum Kommunionempfang verabschieden wollten, „sollten sich offen zeigen, die Frage objektiv und fair mit ihren Mitbrüdern zu diskutieren, anstatt den Prozess zum Entgleisen zu bringen“, so Cordileone, der Vorsitzender des Bischofskomitees für Laien, Ehe, Familie und Jugend ist. 

Im Gespräch mit „The Pillar“ wiederholte der Erzbischof von San Francisco seine Kritik und betonte ausdrücklich, dass es bei der digitalen Vollversammlung im Juni nicht darum gehe, über ein bereits ausformuliertes Dokument zum Kommunionempfang abzustimmen, sondern ob ein solches Dokument über „Eucharistische Kohärenz“, wie die Frage im Vokabular der US-Bischöfe genannt wird, überhaupt verfasst werden solle. Dass das Thema auf die Tagesordnung der Vollversammlung gesetzt werde, sei vom Administrativkomitee der Bischofskonferenz, das für die thematische Schwerpunktsetzung zuständig ist, mehrheitlich beschlossen worden. An die Kritiker gerichtet ergänzte er: Wer von den Bischöfen dagegen sei, ein Lehrschreiben zum Kommunionempfang zu verfassen, könne bei der Vollversammlung im Juni dementsprechend abstimmen.

Wird der Dialogprozess blockiert?

Der Position von Erzbischof Cordileone, dem der Brief der 60 Bischöfe dem US-Portal „Cruxnow“ zufolge nicht im Wortlaut vorgelegen habe, schlossen sich zahlreiche weitere Bischöfe an, unter ihnen Samuel Aquila, Erzbischof von Denver (Colorado), und Thomas Paprocki, Bischof von Springfield (Illinois). Sie alle teilten die Einschätzung Cordileons, dass einige Bischöfe die Debatte um den Kommunionempfang katholischer Politiker, die Abtreibungen befürworten, blockieren wollten, anstatt in einen Dialogprozess einzutreten, wie ihn auch die vatikanische Glaubenskongregation Anfang Mai in einem Schreiben angeregt hatte.

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In dem Medienberichten zufolge von mehr als 60 Bischöfen unterzeichneten Brief an Erzbischof Gomez, dessen Inhalt am Dienstag publik geworden war, forderten diese den Konferenzvorsitzenden auf, das Thema Kommunionempfang komplett von der Agenda der kommenden Vollversammlung zu streichen. Erst wenn es für die Bischöfe wieder möglich sei, persönlich zusammenzutreffen, solle man über die Frage weiter diskutieren. 

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören nach Angaben von „The Pillar“ die Kardinäle Wilton Gregory, Blase Cupich und Sean O'Malley. Auch der Kardinal und New Yorker Erzbischof Timothy Dolan soll ursprünglich seine Unterschrift unter das Schreiben gesetzt, diese dann jedoch wieder zurückgezogen haben. Auch die Unterzeichner des Briefes berufen sich auf das vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria, an die US-Bischöfe gerichtete Schreiben, in dem dieser betonte, dass ein eindeutiger Konsens unter den amerikanischen Bischöfen herrschen müsse, sollten sie tatsächlich landesweit einheitliche Regelungen zur „Tauglichkeit zum Kommunionempfang“ in einem Dokument formulieren wollen.

Gomez wird am Fahrplan festhalten

Der „hohe Standard eines Konsenses“ innerhalb der Bischofskonferenz sowie das Ziel, in Einheit mit dem Vatikan und der Weltkirche zu handeln, sei zum momentanen Zeitpunkt „noch lange nicht erreicht“, heißt es im Brief der 60 Bischöfe. Wie „The Pillar“ berichtete, sei das Schreiben auf Briefpapier aus dem Washingtoner Erzbistum aufgesetzt worden, dessen Leitung Kardinal Gregory als Erzbischof innehat. 

Beobachter gehen davon aus, dass Erzbischof Gomez am bisherigen Fahrplan für die digitale Vollversammlung festhalten dürfte. Am 22. Mai wandte er sich wiederum schriftlich an seine Mitbrüder in der Bischofskonferenz, um das weitere Vorgehen hinsichtlich eines Lehrdokuments zum Kommunionempfang zu skizzieren. „Wie Sie feststellen werden, liegt der Schwerpunkt dieses vorgeschlagenen Lehrdokuments darauf, wie man den Menschen am besten helfen kann, die Schönheit und das Geheimnis der Eucharistie als Zentrum ihres christlichen Lebens zu verstehen“, so Erzbischof Gomez darin.

Unter Beobachtern gilt es durchaus als wahrscheinlich, dass sich unter den insgesamt 280 stimmberechtigten US-Bischöfen eine Mehrheit finden wird, um schon bei der kommenden Vollversammlung zu beschließen, ein Dokument zum Kommunionempfang zu verfassen. Ob dieses dann bei einem potenziellen Präsenztreffen im November tatsächlich eine Zwei-Drittel-Mehrheit finden, bleibt abzuwarten.  DT/mlu

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