Washington/Göttingen

US-Bischöfe rufen zu Trauertag für Hagia Sophia auf

Morgen findet das erste Freitagsgebet in der zur Moschee umgewandelten Hagia Sophia statt. Die US-Bischöfe schließen sich einem Trauertag an – Menschenrechtler fordern indes die Bundesregierung auf, das Schweigen zu Erdogans Handeln zu brechen.

Istanbul - Hagia Sophia
Wie der Informationsdienst der Stiftung „Pro Oriente“ berichtet, bedankte sich Erzbischof Elpidophoros auf Twitter bei „den katholischen Brüdern und Schwestern“ für ihre Unterstützung. Foto: Marius Becker (dpa)

Die katholischen US-Bischöfe haben sich dem Aufruf des griechisch-orthodoxen Erzbischofs von Amerika, Elpidophoros (Lambriniadis), angeschlossen, am Freitag aus Anlass des ersten Freitagsgebets in der zur Moschee umgewandelten Hagia Sophia einen Trauertag abzuhalten. Über den Kurzmitteilungsdienst „Twitter“ lädt die US-Bischofskonferenz ein, dem Aufruf des Erzbischofs „an alle Christen und Menschen guten Willens“ zu folgen. Jede Kirche solle Trauerglocken läuten und die Flaggen auf Halbmast setzen. Am Abend soll in jeder Kirche entweder der „Hymnos Akathistos“ oder der Rosenkranz gebetet werden.

"Wir sind eins im Geist Christi"

Wie der Informationsdienst der Stiftung „Pro Oriente“ berichtet, bedankte sich Erzbischof Elpidophoros auf Twitter bei „den katholischen Brüdern und Schwestern“ für ihre „Unterstützung und Liebe in diesem schwierigen Augenblick“. Der Erzbischof wörtlich: „Wir sind eins im Geist Christi“.

Indes forderte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Bundesregierung auf, ihr Schweigen gegenüber Erdogans Politik zu brechen. „Angela Merkel und Heiko Maas müssen endlich deutliche Worte finden und Erdogans Instrumentalisierung des Islam auch in Sachen Hagia Sophia offen kritisieren“, erklärte der GfbV-Nahostexperte Kamal Sido in Göttingen. „Wie Donald Trump hat Angela Merkel seit Jahren stets Verständnis für die menschenfeindliche Politik des türkischen Präsidenten gezeigt. Die völkerrechtswidrigen Angriffe auf kurdische, christliche und yezidische Minderheiten in Nordsyrien und im Irak nimmt sie schweigend hin.

Seinen Provokationen gegenüber Zypern, Griechenland und Armenien hat sie nie widersprochen. Nicht einmal auf Massenverhaftungen von Oppositionellen, Medienschaffenden oder Künstlern reagiert die Kanzlerin unmissverständlich, auch nicht, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben“, kritisiert Sido.
„Die Türkei ist Gründungsmitglied der NATO und erhält ununterbrochen politische, diplomatische, finanzielle und militärische Hilfen vom Westen. Ausgerechnet dieses Land zerstört jetzt die Brücken des Dialogs zwischen Christen, Muslimen und Juden. Viele Menschen, die sich jahrzehntelang für Frieden zwischen den Religionen engagiert haben, reagieren mit Schmerz und Trauer auf Erdogans Vorgehen und Angela Merkels Schweigen im Fall der Hagia Sophia“, erklärte Sido.

Auch muslimische Länder nehmen Erdogans Politik nicht kritiklos hin

Selbst mehrheitlich muslimische Länder nähmen Erdogans Politik nicht kritiklos hin. So hätte Noura Al Kaabi, Ministerin für Kultur und Jugend in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) die Entscheidung, die Hagia Sophia in eine Moschee umzuwandeln, auf Twitter als „realitätsfremd und populistisch“ bezeichnet. Das Vorgehen werde negative Folgen für alle haben. Die Hagia Sophia habe einen universellen Stellenwert für alle Völker und Zivilisationen. Sie müsse für die zukünftigen Generationen gepflegt und bewahrt werden. Dies sei für ein friedliches Zusammenleben und Toleranz von großer Bedeutung.

DT/chp/mlu

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