Washington

US-Bischöfe diskutierten über Lehrdokument zur Eucharistie

Noch immer ist keine Entscheidung gefallen, ob die US-Bischöfe ein Dokument verfassen werden, das sich mit der Eignung zum Kommunionempfang befasst. Befürworter und Gegner tauschen intensiv Argumente aus. 
Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, José Gomez
Foto: Paul Haring (KNA) | Am Freitag kommen die US-Bischöfe zum Abschluss der Vollversammlung noch einmal zusammen.

Der zweite Tag der digitalen Frühjahrsvollversammlung der katholischen US-Bischofskonferenz ist zu Ende – und in der Debatte um den Kommunionempfang ist noch immer ist keine Entscheidung gefallen. Medienberichten zufolge diskutierten die US-Bischöfe am Donnerstag intensiv über die Frage, ob man bis zur nächsten Vollversammlung im November ein Lehrdokument zur Eucharistie verfassen solle, über das dann im November abgestimmt werden könnte.

Bewusstsein für die Lehre der Kirche schärfen

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Solch ein Dokument, dessen Inhalt das für Lehrfragen zuständige Komitee der Bischofskonferenz bereits vorab skizziert hatte, würde sich unter anderem mit der Realpräsenz Jesu Christi in der Eucharistie und der Bedeutung des Sonntags als heiligem Tag befassen – und mit der Notwendigkeit für Katholiken, nach dem Kommunionempfang der kirchlichen Lehre im Alltag zu folgen. 

Berichten zufolge meldeten sich zahlreiche US-Oberhirten in der Debatte über ein potenzielles Lehrdokument zu Wort und argumentierten sowohl dafür wie auch dagegen. Befürworter wie etwa Kevin Rhoades, Bischof in der Diözese Fort Wayne-South Bend (Indiana) führten Bedenken an, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher und der Anteil der Gläubigen allgemein zurückgehen würden. Das Bewusstsein für die Lehre der Kirche und die Bedeutung der Eucharistie zu schärfen sei angesichts dieser Situation notwendig. Rhoades betonte, das Dokument ziele nicht auf eine spezielle Person oder ein spezielles schlechtes Handeln ab. Damit spielte er auf US-Präsident Joe Biden an, der seit langem bei konservativen Bischöfen in der Kritik steht, da er als Politiker straffreie, mit Steuergeldern finanzierte Abtreibungen befürwortet. Die Frage, ob man Politiker wie Biden daher nicht zur Kommunion zulassen solle, gilt unter Beobachtern als eigentlicher Anlass für die Diskussion um ein Lehrdokument zur Teilnahme an der Eucharistie.

Bischöfe als "parteipolitische Akteure"

Gegner eines solchen Dokuments warnten, dass die US-Bischöfe Gefahr liefen, als „parteipolitische Akteure“ wahrgenommen zu werden – insbesondere unter katholischen Politikern, die Abtreibungen befürworteten. Der Erzbischof von Seattle, Paul Etienne kritisierte beispielsweise, dass die Eucharistie nun in eine politische Diskussion verstrickt worden sei, „und das ist für uns ein schweres Terrain“. Der Washingtoner Erzbischof Wilton Gregory betonte, es sei notwendig, innerhalb der Bischofskonferenz Einheit zu wahren. Man stehe vor der Wahl, „entweder einen Pfad einzuschlagen, der die Einheit unter uns stärkt, oder uns auf ein Dokument festzulegen, das möglicherweise nicht zur Einheit beiträgt, sondern sie noch weiter beschädigen könnte“. 

Der Erzbischof von Kansas und Vorsitzende des Lebensschutzkomitees der US-Bischöfe, Joseph Naumann, betonte hingegen, dass sich ein Lehrdokument zur Eucharistie nicht nur auf die Abtreibungsfrage beziehen müsse. Katholische Politiker, die andere schwerwiegende Übel wie etwa Menschenhandel oder Rassismus unterstützten, würden sich ebenfalls von der Eignung zum Kommunionempfang disqualifizieren. Nicht die Bischöfe sondern die Politiker, die nicht gemäß der kirchlichen Lehre handelten, hätten eigentlich die Debatte um den Kommunionempfang angestoßen, so Naumann, der als einer der deutlichsten Kritiker des neuen Präsidenten gilt. 

Am Freitag kommen die US-Bischöfe zum Abschluss der Vollversammlung noch einmal zusammen. Dann dürfte es zu einer endgültigen Abstimmung über das zur Diskussion stehende Lehrdokument zur Eucharistie kommen.  DT/mlu

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