„Unzähmbarer Geist des Guten“

USA und EU verurteilen Enthauptung des Entwicklungshelfers Peter Kassig durch den IS – US-Senator Durbin lehnt Bodentruppen ab

Washington/Brüssel (DT/dpa) Die USA und die Europäische Union haben die Ermordung eines Amerikaners als fünfter ausländischer Geisel von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verurteilt. US-Präsident Obama sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Der aus Indianapolis stammende Entwicklungshelfer Peter Kassig habe einen „unzähmbaren Geist des Guten und der Ausdauer“ in sich getragen, erklärte Obama auf seiner Rückreise vom G20-Gipfel in Australien. Seine Entführung durch IS-Terroristen sei ein Akt des puren Bösen gewesen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der für Humanitäre Hilfe zuständige Kommissar Christos Stylianides erklärten, alle Täter von Menschenrechtsverletzungen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Die Terrormiliz breche allgemein anerkannte Werte und Rechte.

Die USA hatten am Sonntag die Echtheit des im Internet verbreiteten IS-Videos. bestätigt. IS-Extremisten hatten in den vergangenen Monaten bereits die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie die Briten David Haines und Alan Henning ermordet. Der 26-jährige Ex-Elitesoldat Kassig arbeitete nach Angaben seiner Eltern als Entwicklungshelfer in Syrien, als er am 1. Oktober 2013 in Dair as-Saur im Osten des Landes entführt wurde. Die Eltern baten am Sonntag um einen zurückhaltenden Umgang mit dem Video. „Die Familie bittet die Medien, den Geiselnehmern nicht in die Hände zu spielen, indem sie Bilder oder das Video der Entführer veröffentlichen“, teilten Ed und Paula Kassig über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. In dem Video werden auch Enthauptungen syrischer Soldaten gezeigt. Ein vermummter Dschihadist richtet in englischer Sprache mit britischem Akzent eine Botschaft an Präsident Obama, in der er sagt, dass den US-Truppen Ähnliches widerfahren werde. Erneut machte die Terrorgruppe ihre Expansionsansprüche deutlich: auf Saudi-Arabien, Libyen oder auch Europa. Kassig leistete nach Angaben der „Washington Post“ Armeedienst beim bekannten 75. Ranger Regiment. Der Infanterist habe mit seiner Einheit im Irak gedient. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee habe Kassig begonnen, Politikwissenschaft zu studieren. Er beteiligte sich an Hilfsprojekten für Syrien. In einem bewegenden Abschiedsbrief hatte Kassig sich aus seiner Gefangenschaft an seine Eltern gewandt, die das Schreiben Mitte Oktober veröffentlichten. Kassigs Eltern hatten lange für die Freilassung ihres Sohnes gekämpft. US-Senator Dick Durbin bezeichnete das Video als tragische Erinnerung an die Bestialität der IS-Kämpfer. Trotzdem sei eine Entsendung von US-Kampftruppen am Boden keine Lösung, um dem Konflikt in Syrien beizukommen. Dies wäre ein „ernsthafter Fehler“, sagte der Demokrat am Sonntag im CNN-Interview.

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