Unter Hetzern: So nicht!

Von Markus Reder
Foto: DT | Markus Reder.
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Oben freundlich lächeln, aber unter dem Tisch seinem Gegenüber brutal ans Schienbein treten. Stellt man sich unter Protestanten so Ökumene vor? Man will das nicht hoffen, aber die wüsten Angriffe auf die katholische Kirche und den Papst, die sich Arnd Brummer, Chefredakteur von „chrismon“, in der aktuellen Ausgabe des Monatsmagazins leistet, legen solche Gedanken leider nahe. (Siehe Seite 11) „Chrismon“ ist nicht irgendein Heft. Das evangelische Magazin liegt den großen überregionalen Zeitungen bei und erreicht eine Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren. Auch die Herausgeber sind nicht irgendwer, sondern EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider, Landesbischof Johannes Friedrich, Präses Katrin Göring-Eckardt sowie Margot Käßmann.

Das macht es umso schlimmer, wenn in einem solchen Blatt kurz vor dem Papstbesuch Töne angeschlagen werden, die einen gezielten Affront bedeuten und jede Art von Fairness im Umgang miteinander vermissen lassen. Bummer, der vor Jahren die katholische Kirche verließ und evangelisch wurde, beleidigt Katholiken, spottet über Lehren der katholischen Kirche, die er offensichtlich nie richtig verstanden hat, und beschimpft Papst Benedikt. Seine Botschaft: Alles ist besser bei den Protestanten, also kommt rüber!

Solche protestantischen Pöbeleien schaden nicht nur der Ökumene. Sie beschädigen Ansehen und Seriosität der evangelischen Seite. Sie führen weg von dem, was die Konfessionen verbindet, und sorgen für ein Erscheinungsbild des Christlichen in der Öffentlichkeit, das einem die Haare zu Berge stehen lässt. Seht, wie sie einander lieben! All das kümmert Brummer nicht. Seine „chrismon“-Attacke ist der Werbeauftakt für sein eben erschienenes Buch „Unter Ketzern. Warum ich evangelisch bin“. An dieser Marketingstrategie lässt sich unschwer erkennen, was Brummer tatsächlich wichtig ist.

Ein öffentliches Wort der Distanzierung ist das Mindeste, was man jetzt von den „chrismon“-Herausgebern erwarten muss. Schweigen würde Zustimmung bedeuten. Dann braucht man in Erfurt beim Papst nicht freundlich lächeln.

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