Fulda

"Unplanned" hinterlässt tiefen Eindruck

So verlief die Uraufführung der deutschen Synchronfassung des Films „Unplanned“.

Fimpremiere Unplanned
Nach der Premiere ein Podium: Beispielhaft für die Wirkung, die der Film auf Kinozuschauer ausüben soll. „Unplanned“ soll zum Nachdenken anregen. Foto: Rehder

Fulda, Donnerstag, 3. September, 16.30 Uhr. Langsam füllt sich das Foyer vor dem großen Saal des CineStar in der Löhrerstraße. Immer mehr Menschen erklimmen die lange, wegen Corona in Auf- und Abgang zweigeteilte Treppe und streben der ersten Etage des am Rande der Innenstadt gelegenen Kinos zu. In den Händen halten sie Tickets. Die berechtigten zur Teilnahme an der Uraufführung der deutschen Synchronfassung des US-amerikanischen Leinwanddramas „Unplanned“. Anders als sonst üblich können die Besucher der Deutschlandpremiere des Films diese nicht an der Kinokasse lösen. Stattdessen wurden sie ihnen vorher persönlich per E-Mail zugestellt. Nun müssen sie sich ausweisen.

Sorge vor Demonstrationen

Das ausgeklügelte Procedere soll verhindern, dass Ort und Uhrzeit der Filmvorführung vorher öffentlich bekannt gemacht werden müssen und das Kino womöglich unerwünschten Besuch erhält. Von selbsternannten Antifaschisten zum Beispiel. Der Plan geht auf. Die aus allen Teilen Deutschlands und sogar eigens aus Österreich angereisten Lebensrechtler verlebten in Fulda einen störungsfreien Kinoabend. Einziges Manko: Aufgrund der derzeit gültigen Corona-Verordnung konnten an der vom Bundesverband Lebensrecht (BVL) organisierten Filmpremiere nur 150 Personen teilnehmen. Unter ihnen findet sich viel Prominenz. Marie Elisabeth Hohenberg etwa, Vorstandsvorsitzende der „Stiftung Ja zum Leben“, die die deutsche Synchronisation des Films finanzierte.

Oder Maria Schmidt, die das Projekt koordinierte und bei der sich die beiden Produzenten, Drehbuchautoren und Regisseure des Films, Chuck Konzelmann und Cary Solomon, in einer im Anschluss an den Film gezeigten Video-Botschaft namentlich bedankten. Oder auch Alexandra Linder, Vorsitzende des „Bundesverbands Lebensrecht“ (BVL), der die Premiere organisierte, sowie Cornelia Kaminski, genius loci und Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA), die dafür sorgte, dass der Film in Fulda uraufgeführt werden konnte. Oder auch Hubert Hüppe, Stellvertretender Bundesvorsitzender der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) und ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen sowie Professor Paul Cullen, Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“. Fuldas Bischof Michael Gerber dankt für die Einladung und lässt sich entschuldigen. Er habe terminliche Verpflichtungen außerhalb Fuldas, die eine Teilnahme unmöglich machten.

Bevor es losgeht, gehen Mitglieder der „Jugend für das Leben“ mit Körben durch die Reihen und verteilen wahlweise Erdnüsse, Studentenfutter oder Brezeln an die Kinobesucher. Eine Geste, die viele dankbare Abnehmer findet. Und doch hört man in den folgenden 105 Minuten nirgendwo auch nur eine Tüte rascheln. Was allerdings kaum wundert, erzählt das Leinwanddrama doch die wahre Lebensgeschichte der US-Amerikanerin Abby Johnson. Die schließt sich als Studentin „Planned Parenthood“ an, dem größten Anbieter vorgeburtlicher Kindstötungen in den USA. In der straff geführten Organisation steigt die junge, idealistische, aber eben auch ziemlich naive Frau schnell auf. Binnen acht Jahren avanciert sie zur Leiterin der Abtreibungsklinik in Byran, der Bezirkshauptstadt des Brazos County im US-Bundesstaat Texas.

Ein Tag  ändert im Leben von Abby Johnson alles

Als sie eines Tages selbst bei einer Abtreibung assistiert, sieht sie auf dem Monitor des Ultraschallgerätes den aussichtslosen Kampf mit an, den ein 13 Wochen alter Embryo im Leib seiner Mutter um sein Leben führt. Nach diesem Erlebnis ändert die junge Frau, die zuvor selbst zweimal ungewollt schwanger wurde und beide Kinder abtreiben ließ, endlich ihr Leben. Sie kündigt ihren Job und schließt sich den Lebensrechtlern an, die vor dem Klinikzaun für die ungeborenen Kinder, ihre Mütter und das Klinikpersonal beten. Die Gruppe, die sich „40 Days for Life“ nennt und von ihrem Gründer Shawn Carney geleitet wird, hilft Abby einen neuen Job zu finden und besorgt ihr einen Anwalt, der sie in dem Arbeitsrechtsprozess vertritt, den Planned Parenthood gegen Johnson anstrengt, nachdem er sie kurz zuvor noch zur „Mitarbeiterin des Jahres“ gekürt hatte. Am Ende gewinnt Abby nicht nur den Prozess. Planned Parenthood schließt sogar die Klinik in Bryan, nachdem Abby anfängt, die Frauen, die sich in der Klinik vorstellen, nun von der anderen Seite des Zauns aus zu beraten und aufzuklären. Heute ist die ehemalige Planned Parenthood-Klinik das nationale Hauptquartier von „40 Days for Life“.

Das Drehbuch des Films basiert auf der 2010 ebenfalls unter dem Titel „Unplanned“ erschienenen Autobiografie Johnsons. Auf Deutsch erschien das Buch, übersetzt von Alexandra Linder, 2012 unter dem Titel: „Lebenslinie – Warum ich keine Abtreibungsklinik mehr leite“.

In der bereits erwähnten, im Anschluss an den Film gezeigten Video-Botschaft kommt auch die echte Abby Johnson zu Wort. Sie erklärt, der Film von Konzelmann und Solomon beschönige nichts, übertreibe aber auch nichts. Trotzdem wird der Film, sofern er nicht verschwiegen wird, hierzulande kaum auf positive Kritiken hoffen. Darüber macht sich auch der echte Shawn Carney – im Film gespielt von Jared Lotz – keine Illusionen: „Es gab noch nie einen solchen Film und er wird gelabelt werden: Anti-Planned-Parenthood-Film, Anti-Abtreibungs-Film, Anti-Frauen-Film, der Anti-füllen-Sie-die-Lücke-Film. Aber die Realität und gleichzeitig das Problem für die Abtreibungsindustrie ist, dass es sich hierbei um die Wahrheit handelt“, so Carney. „Sie werden in diesem Film sehen, dass wir die Personen, die in diesen Kliniken arbeiten, nicht verteufeln. Vielmehr glauben viele Menschen, die dort arbeiten, dass sie das Richtige tun. Das ist es, was Abbys Geschichte so großartig macht“, erklärt am Ende auch Chuck Konzelmann.

Über 500 Menschen von „pro life“ überzeugt

Und in der Tat: Beim anschließenden Empfang, der sich an eine von „Tagespost“-Redakteurin Regina Einig moderierten Podiumsdiskussion anschloss, zeigten sich viele der Premiere-Gäste bei Sekt und dem von der „Jugend der das Leben“ angereichtem Fingerfood vor allem von zwei Dingen tief beeindruckt: Der Darstellung der Liebe, die Johnsons Eltern und ihr zweiter Mann ihr entgegenbringen, obgleich sie ihre Arbeit in der Klinik ablehnen und dies auch regelmäßig deutlich zum Ausdruck bringen, und die Freundlichkeit, mit der Shawn Carney und seine Mitstreiter Abby und ihren Mitarbeiterinnen sowie den abtreibungswilligen Frauen begegnen. Noch einmal Carney: „Die Frauen brauchen Hoffnung und Gottes Barmherzigkeit. Und alles andere, was ihnen die Welt erzählt: ,das geht schon wieder vorbei‘ oder ,das ist keine große Sache‘, ist eine vollendete Lüge.“ Bis heute hat die von Johnson nach ihrem Ausstieg ins Leben gerufene Organisation „And then, there were none“ mehr als 500 ehemalige Mitarbeiter überzeugt, der Abtreibungsindustrie den Rücken zu kehren.

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