Ukraine fürchtet russischen Einmarsch

Präsident Poroschenko erhebt schwere Vorwürfe gegen Moskau – Gemeinsames Gebet der Religionsführer in Kiews Sophienkathedrale

Kiew/Berlin (DT/dpa) Der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko hat zum Jahrestag der Unabhängigkeit seines Landes vor der Gefahr eines russischen Einmarsches gewarnt. Der Feind verfolge weiter die Idee eines direkten Angriffs auf die Ukraine, sagte Poroschenko am Montag in Kiew auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan. Russland habe an der Grenze zur Ukraine mehr als 50 000 Soldaten stationiert, im Kriegsgebiet Donbass seien 40 000 Kämpfer im Einsatz, darunter 9 000 aktive russische Militärangehörige, so Poroschenko. „Moskau hat den Kämpfern bis zu 500 Panzer, 400 Artilleriesysteme und 950 Schützenpanzer geliefert. Allein in dieser Woche haben drei große Kolonnen unsere Grenze in Richtung Luhansk, Donezk und Debalzewe überschritten“, sagte Poroschenko. Auf dem Maidan marschierten mehr als 2 000 Soldaten von der ostukrainischen Kriegsfront.

Nach den Feierlichkeiten zum 24. Jahrestag der Unabhängigkeit wurde Poroschenko von Kanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet. Die Aufständischen im Donbass forderten Merkel auf, Druck auf die ukrainische Regierung auszuüben. Berlin und Paris müssten sich als Vermittler dafür einsetzen, dass der im Februar in Minsk vereinbarte Friedensplan umgesetzt werde, sagte Separatistenführer Denis Puschilin.

Die ukrainischen Religionsführer und Präsident Poroschenko haben am Nationalfeiertag gemeinsam für den Frieden in dem Land gebetet. Nach Angaben der Präsidentenkanzlei baten sie am Montag in der Kiewer Sophienkathedrale um Gottes Schutz und Segen für jene, die den ukrainischen Staat verteidigen. An der Feier nahmen die Oberhäupter der beiden großen orthodoxen Kirchen und der griechisch-katholischen Kirche des Landes sowie Spitzenvertreter der römisch-katholischen Kirche, der Juden und der Muslime teil. Im Anschluss entzündete Poroschenko eine Kerze. Die auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO stehende Kathedrale untersteht keiner Kirche, sondern ist ein staatliches Museum.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat neue Anstrengungen für eine Verbesserung des Verhältnisses zu Russland angekündigt. Auf der Jahreskonferenz der deutschen Auslandsbotschafter sagte Steinmeier am Montag in Berlin, Moskau müsse „über das aktuelle Krisenmanagement hinaus“ im Ukraine-Konflikt wieder in die internationale Ordnung eingebunden werden. Russland sei zur Lösung vieler internationaler Konflikte wichtig. „Es kann eine europäische Friedensordnung am Ende nur mit der Einbindung Russlands geben.“ Steinmeier machte aus seiner Unzufriedenheit über die Umsetzung der Ukraine-Friedensvereinbarungen vom Februar in Minsk keinen Hehl. „Von einer echten Lösung sind wir weit entfernt.“ Die Beobachter der OSZE sehen im Minsker Abkommen immer noch eine wichtige Plattform für den Friedensprozess. Die Sicherheitslage in der Ukraine sei nach wie vor „ziemlich unberechenbar“, sagte der stellvertretende Leiter der OSZE-Beobachtermission, Alexander Hug.

Themen & Autoren

Kirche