Ukraine: EU kritisiert Moskau

Kiew (DT/dpa/KAP) Im Streit um die EU-Annäherung der Ukraine hat Europas Spitze schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben. Es habe „externen Druck“ auf die Ukraine gegeben, schrieben EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Montag in einer gemeinsamen Erklärung. „Wir missbilligen die russische Position und Handlungen in diesem Zusammenhang deutlich.“ Die Tochter von Oppositionsführerin Julia Timoschenko appellierte an Deutschland, der in Haft erkrankten Politikerin zu helfen. „Ich denke, dass Deutschland die letzte Chance für meine Mutter ist. Kanzlerin Merkel darf nicht aufgeben. Wenn meine Mutter nicht bald freikommt, wird sie sterben“, sagte Jewgenija Timoschenko der „Bild“-Zeitung.

Der griechisch-katholische Großerzbischof der Ukraine, Swjatoslaw Schewtschuk, hat sich hinter die proeuropäischen Demonstrationen in der Ukraine gestellt. In einer Erklärung auf der Internetseite seiner Kirche bekundete er seine Solidarität mit den zehntausenden Kundgebungsteilnehmern in mehreren ukrainischen Städten und im Ausland. Zugleich mahnte der Großerzbischof Demonstranten und Regierung, keine Gewalt anzuwenden. Es dürfe „kein Tropfen Blut“ vergossen werden, „damit wir nicht unsere Zukunft zerstören“, so der höchste Repräsentant der mit Rom unierten Kirche. Nach Schätzungen hatten am Sonntag in Kiew zwischen 26 000 und 100 000 Menschen gegen die Entscheidung der Regierung demonstriert, das Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der EU doch nicht zu unterschreiben. Es waren die größten Kundgebungen seit der „Orangenen Revolution“ 2004. Am Sonntag wie am Montag kam es vor dem Sitz der Regierung zu Zusammenstößen zwischen proeuropäischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Tränengas ein. Schewtschuk sagte, die Demonstranten zeigten, dass ihnen das Schicksal ihres Landes nicht gleichgültig sei. Er rief zu Gebeten für eine friedliche Fortsetzung der Kundgebungen auf. In diesem „schwierigen Moment“ solle die Ukraine eine „zivilisierte europäische Nation“ bleiben.

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