Washington

Überkonfessionelle Initiative unterstützt Joe Biden

Die überkonfessionelle Gruppe „Faith 2020“ stellt sich im US-Wahlkampf hinter den demokratischen Herausforderer. Das Land befinde sich an einem historischen Wendepunkt und brauche dringend eine moralische Führung, so der Hauptorganisator.

Joe Biden und Kamala Harris
„Faith 2020“-Geschäftsführer Phillips zufolge seien Joe Biden und Kamala Harris die „moralisch seriösen Kandidaten“, die gläubige Wähler sich wünschten. Foto: Andrew Harnik (AP)

Der US-Demokrat Joe Biden, Herausforderer von Präsident Donald Trump im Kampf um das Präsidentenamt, erhält in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs Unterstützung von rund 500 Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften. Wie das Online-Portal „Huffington Post“ berichtet, stellt sich eine überkonfessionelle Gruppe mit dem Namen „Faith 2020“ hinter den 77-Jährigen ehemaligen Vizepräsidentin und seine Mitbewerberin, die kalifornische Senatorin Kamala Harris.

Evangelikaler Prediger stimmt zum ersten Mal seit 44 Jahren für Demokraten

Zu den Mitgliedern der Initiative zählen evangelikale und katholische Christen genauso wie Muslime, Juden und Hindus. Manche sollen noch nie zuvor einen Kandidaten für das Weiße Haus unterstützt haben. Wie vielfältig das Spektrum der Unterstützer ist, zeigt sich daran, dass sowohl die progressive lutherische Theologin Nadia Bolz-Weber zu ihnen gehört, wie auch der evangelikale Prediger Rob Schenck, ein entschiedener Abtreibungsgegner. Er wolle zum ersten Mal seit 44 Jahren wieder für einen Demokraten stimmen, so „Huffington Post“. 

Die Initiative „Faith 2020“ bezeichnet sich selbst als „Gruppe von Freunden und Nachbarn“, die Biden und Harris unterstützen, damit sie „die Werte unserer Nation wiederherstellen“. Das Ziel sei es, eine „vielfältige, überkonfessionelle Koalition“ zu bilden. „Unser Land befindet sich an einem historischen Wendepunkt und braucht dringend eine moralische Führung“, erklärte der Hauptorganisator der Initiative, der presbyterianische Pfarrer Fred Davie.

Und der Geschäftsführer der Initiative, Reverend Adam Nichols Phillips, meinte gegenüber „Huffington Post“, die Republikanische Partei habe den Glauben viel zu lange für sich gepachtet. „Es ist ungeheuerlich zu denken, Donald Trump wäre der ,Kandidat für Werte' im Jahr 2020, insbesondere da er die Rassenkonflikte immer wieder anschürt und dafür verantwortlich ist, dass überall Leute inmitten der Pandemie geliebte Menschen und ihren Lebensunterhalt verlieren.“ 

Biden will verstärkt gläubige Wähler ansprechen

Phillips, ein progressiver evangelikaler Pastor aus Portland im Bundesstaat Oregon, wies auch auf die Skandale hin, die sich jüngst im Umfeld von Trumps „sogenannten Glaubens-Unterstützern“ ereigneten – beispielsweise der Rücktritt des prominenten evangelikalen Pastors Jerry Falwell nach einem Sex-Skandal. Der 58-Jährige war einer der ersten Evangelikalen, die sich für Donald Trump aussprachen.

Das Wahlkampfteam des Katholiken Joe Biden bemüht sich bereits seit einiger Zeit, gläubige Wähler verstärkt anzusprechen. Bereits im Juli stellte man den Evangelikalen und ehemaligen Republikaner Josh Dickson ein. Er soll sich um die Belange rund um Glaubensfragen auf nationaler Ebene zu kümmern. Und auch der Nominierungsparteitag der Demokraten zielte darauf ab, Biden als Kandidaten zu zeichnen, der im katholischen Glauben verwurzelt ist.

„Faith 2020“-Geschäftsführer Phillips zufolge seien Joe Biden und Kamala Harris die „moralisch seriösen Kandidaten“, die gläubige Wähler sich wünschten – insbesondere solche, denen auch das Problem des systemischen Rassismus am Herzen liege. „Die meisten Amerikaner sind immer offener und denken nach vorne gerichtet. Sie sehnten sich nach Gerechtigkeit und Heilung, nicht nach den altbekannten toxischen Mitteln“, so Phillips.  DT/mlu

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