Übergriffe sind Alltag

IGFM-Kritik an Pakistan. Von Heinrich Wullhorst
Karfreitag in Pakistan
Foto: dpa. | Die Christen leiden besonders unter den Menschenrechtsverletzungen in Pakistan. Hier betet eine Christin während der Karfreitagsliturgie, die in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad in diesem Jahr stattfand.

Menschenrechtsverletzungen gehören nach der Einschätzung mehrerer Organisationen zum Alltag der Menschen in der Islamischen Republik Pakistan. Es sind nicht nur die Angehörigen religiöser Minderheiten, die unter vom Staat geduldeten Übergriffen leiden. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) arbeitet seit Jahren mit kirchlichen und weltlichen Menschenrechtsorganisationen in Pakistan zusammen. Sie kennt die Lage im Land. Nun hat sie erneut auf die Situation der Frauen und der religiösen Minderheiten in dem Land hingewiesen, das 1956 zur ersten Islamischen Republik der Welt wurde.

Martin Lessenthin, der Vorstandssprecher der IGFM, hat nur wenig Hoffnung auf eine Entspannung der Situation: „Der Grund dafür ist der immer mächtiger werdende islamische Fundamentalismus auf der einen Seite und ein korrupter Staatsapparat auf der anderen. Die mächtigen Akteure in Politik, Militär, Polizei und Geheimdienst zeigen weder das Interesse noch den Mut, grundsätzliche Probleme des Landes anzugehen.“ Ungeachtet der Tatsache, dass Pakistan bindende internationale Verträge zur Wahrung von Menschenrechten unterschrieben hat, ist das gesamte Rechtssystem von der Scharia, dem islamischen Gesetz, geprägt. Sie reglementiert nicht nur das Verhalten in Familie und Gesellschaft, sondern auch die Gottesverehrung. Viele Vorschriften stehen im Widerspruch zum Völkerrecht und zu bindenden internationalen Verträgen, betont die IGFM.

Die größten Probleme bringt nach den Feststellungen der IGFM die pakistanische Blasphemie-Gesetzgebung mit sich. Hier führen abwertende Äußerungen über den Islam oder den Propheten Mohammed nach dem Strafgesetzbuch zu lebenslanger Haft oder gar zur Verurteilung zu einer Todesstrafe. „So wird das Gesetz zu einer lebensbedrohenden Waffe gegen Christen, Ahmadiyya-Muslime, aber auch gegen Schiiten in der sunnitisch dominierten Gesellschaft“, weiß Lessenthin. Selbst in Nachbarschaftsstreitigkeiten werde die „Blasphemie-Keule“ geschwungen. Er erinnert an den Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi. Die Justiz hat sie im November 2010 wegen Beleidigung des Propheten zum Tode durch Erhängen verurteilt. Das Urteil ist noch nicht vollstreckt worden, aber es ist ungewiss, ob sie je wieder freikommt. Eine Berufungsentscheidung des Obersten Gerichtshofs wird sei 2016 ständig vertagt.

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