Twal will bessere Beziehungen zu Israel

Der neue Lateinische Patriarch erwartet von Israel Entgegenkommen für die katholischen Priester

Jerusalem (DT/KNA) Der neue Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, will die Beziehungen der katholischen Ortskirche zur israelischen Regierung verbessern. Zwischen beiden Seiten gebe es „zu wenig Vertrauen“, sagte Twal in einem vom französischen Internetdienst „Echo d'Israel“ veröffentlichten Interview. Er wolle daher vermehrt auf persönliche Begegnungen und Gespräche drängen.

Zugleich hoffe er aber auch auf „kleine Gesten von ihrer Seite, die das Leben unserer Priester erleichtern“. Die erschwerte Visa-Vergabe für arabische Seelsorger des Patriarchats belastet seit Jahren die Beziehungen zwischen Israel und der katholischen Kirche. Er erwarte von der israelischen Regierung „keine Wunder“, betonte Erzbischof Twal. Durch kleine Gesten könne sie jedoch signalisieren, dass sie „Vertrauen in uns hat“. Dazu gehöre vor allem die Gewährung von Visa für jordanische Priester, die einen Großteil des Klerus im Patriarchat ausmachen. Das Misstrauen gegenüber dem Klerus aus einem Land, zu dem Israel seit Jahren diplomatische Beziehungen habe, sei ihm unbegreiflich, so Twal.

Die israelische Regierung müsse begreifen, dass Jerusalem für Christen einen mindestens ebenso hohen Stellenwert habe wie für Juden. Daher müssten alle Priester des Patriarchats „sich frei bewegen und nach Jerusalem kommen können“.

Der gebürtige Jordanier Fouad Twal übernimmt am Sonntag das Leitungsamt der Katholiken des Lateinischen Ritus in Israel, den palästinensischen Gebieten, Jordanien und Zypern. Er hatte nach seiner Priesterweihe 1966 zunächst als Seelsorger in Jordanien und Palästina gearbeitet, bevor er 1972 zum Studium nach Rom ging. Anschließend trat Twal in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Tunis. Die Bischofsweihe spendete ihm damals Michel Sabbah, zu dessen Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge Twal 2005 durch Papst Benedikt XVI. ernannt wurde.

Der bisherige Lateinische Patriarch von Jerusalem, der Palästinenser Michel Sabbah, wird nach fast 20 Amtsjahren in den Ruhestand verabschiedet. Sein Verhältnis zu den israelischen Behörden war wegen seiner wiederholten Kritik an der israelischen Politik angespannt.

Erzbischof Twal erklärte mit Blick auf die „unterschiedlichen Sensibilitäten“ der einzelnen Volksgruppen im Patriarchat, er wolle er sich um eine „vorsichtige Sprache“ bemühen. Kritik müsse immer „ruhig und konstruktiv“ sein. Gleichzeitig müsse man „falsches Verhalten“ auf beiden Seiten des Konflikts beim Namen nennen. Palästinensische Terrorakte führten nur dazu, „dass der Feind gestärkt und das Misstrauen genährt“ werde.

Andererseits werde Israel etwa von den USA wie ein „verwöhntes Lieblingskind“ behandelt, das niemand darauf aufmerksam mache, wenn es auf „falsche Wege“ gerate. Twal räumte ein, der Nahost-Konflikt sei so kompliziert, dass „niemand von sich behaupten darf, er wisse die Lösung“. Selbst ein Friedensabkommen auf der Grundlage der Grenzziehungen von 1967, wie von palästinensischer Seite gefordert, werde seiner Überzeugung nach noch nicht den ersehnten Frieden bringen. Es werde „immer einen Idioten geben, auf der einen oder anderen Seite, der den Frieden behindert“, sagte der Erzbischof. Daher könne nur ein demütiges, langsames Aufbauen von Vertrauen und Zusammenarbeit zu einer schrittweisen Lösung führen.

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