„Traurig, dass wir Polizeischutz brauchen“

Martin Lohmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht, über den Marsch für das Leben in Berlin von Benedikt Benninghaus
Herr Lohmann, sind Lebensrechtler politisch oder religiös motiviert?

Beides. Denn sie wissen, dass der christliche Glaube mitten ins Leben gehört. Nicht von der Welt, aber für die Welt! Das Zeugnis für das Leben, seine Heiligkeit und Unantastbarkeit, gehört mitten in die Gesellschaft. Wenn wir mit unserer Veranstaltung dort beginnen, wo die politischen Entscheidungen getroffen werden, vor dem Kanzleramt und unweit des Reichstages, dann deshalb, weil es höchste Zeit ist, dass dort die Botschaft von der Kultur des Lebens erkannt wird. Ja, als überzeugte Christen haben wir auch einen politischen Anspruch. Logisch.

Linksradikale Übergriffe auf die Initiative sind inzwischen traurige Realität. Wie reagieren Sie und die Teilnehmer darauf?

Mit Bedauern, Toleranz und Gebet. Wir sind als Freunde des Lebens friedlich, auch wenn uns Hass- und Gewaltbereitschaft sehr traurig machen. Offenbar sind bei den Gegnern des Lebens viele dabei, denen wohl noch niemand gesagt hat: Du bist geliebt, Du bist gebraucht, Du bist gewollt. Ganz sicher von Gott. Es ist schade, dass manche vielleicht noch nie wirkliche Liebe erfahren haben, weshalb sie sich Hass und Intoleranz so leicht zur Verfügung stellen. Und wissen Sie: Wir haben erfahren, dass bei den Gegnern unserer friedvollen Botschaft auch viele Berufsgegner sind, also Leute, die gebucht werden als Protestler und Schreier. Denen ist egal, wogegen sie sein sollen. So gesehen sind sie letztlich gar keine Gegner des Lebens, weil sie ja gar nicht hören und wissen wollen, wofür wir sind – und wogegen sie anschreien. Wir laden auch sie gerne ein, hinzuhören, wenn es um den Respekt vor dem Leben geht. Übrigens: Die Berliner Polizei beschützt uns stets sehr gut und umsichtig. Dafür sind wir dankbar. Aber eigentlich ist es doch traurig, dass in Deutschland, in Berlin, ein friedliches „Ja zum Leben“ polizeilich beschützt werden muss, oder?

1 800 Teilnehmer im vergangenen Jahr: Rechnen Sie am Samstag mit mehr?

Der Zuspruch zu unserem eigentlich sehr normalen und notwendigen Zeugnis wächst ständig. Das ganze Jahr über. Wir wissen aber nie genau, wie viele zum Marsch für das Leben kommen. In den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden. Und das ist gut so. Ich hoffe und wünsche, dass auch diesmal viele kommen, um ein klares und unübersehbares Ja zum Leben zu zeigen. Dieses Zeugnis ist für Deutschland sehr wichtig. Alle, die noch unentschlossen sein sollten, sind hiermit sehr herzlich eingeladen, am kommenden Samstag nach Berlin zu kommen. Um 13 Uhr geht es los vor dem Kanzleramt.

Philip Prinz von Preußen hat dieses Jahr zur Teilnahme aufgerufen. Fehlt es den Lebensschützern an prominenter oder politischer Unterstützung?

Ganz und gar nicht. Wir haben sehr viel Unterstützung, und in diesem Jahr sind wieder sehr viele und sehr prominente Grußworte bei uns eingegangen. Viele bekunden uns auch im persönlichen Gespräch, dass sie unseren Mut bewundern und sehr dankbar sind, dass wir uns niemals entmutigen lassen. Auch von noch so absurden Beschimpfungen nicht, und auch nicht, wenn man versucht, Lebensschützer in eine bestimmte Ecke drängen zu wollen. Wir bleiben in der Mitte der Gesellschaft und in der Mitte der Logik des Lebens.

Der Marsch findet eine Woche vor dem Papstbesuch statt. Erhoffen Sie sich dadurch eine regere Teilnahme?

Der Papst steht für eine Kultur des Lebens und erinnert immer wieder an die Heiligkeit des Lebens, an seine Unantastbarkeit und an das ungeteilte Recht auf Leben vom Anfang bis zum natürlichen Ende. Und das ist genau auch unsere konfessionsübergreifende Überzeugung. Es ist Grundlage des christlichen Denkens. Unsere Veranstaltung passt sehr gut zum Papstbesuch wenige Tage später in Berlin. Benedikt XVI. sind wir sehr dankbar für seinen Einsatz für die Wahrheit. Viele werden wohl in diesen Tagen zweimal nach Berlin kommen.

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