Teherans Bischof: Washingtons Außenpolitik fördert Terrorismus

Syrischer Metropolit fordert humanitäre Soforthilfe für Christen – Iranischer Erzbischof warnt: Die Krise lässt sich nicht mit Krieg lösen
Foto: dpa | Viele im Westen sehen dem Morden der IS-Terroristen in Syrien und im Irak tatenlos zu. Christliche Bischöfe fordern jetzt eine humanitäre Soforthilfe.
Foto: dpa | Viele im Westen sehen dem Morden der IS-Terroristen in Syrien und im Irak tatenlos zu. Christliche Bischöfe fordern jetzt eine humanitäre Soforthilfe.

München/Essen/Rom (DT/KNA) Die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak bedrohten Christen brauchen nach Angabe hoher irakischer Kirchenvertreter dringend humanitäre Soforthilfe. Von der Regierung in Bagdad gebe es keinerlei Unterstützung für sie, auch nicht aus internationalen Zuwendungen, klagte der syrisch-orthodoxe Metropolit Mosa Alshamani von Mossul am Montag bei einem Besuch der Hanns-Seidel-Stiftung in München.

Sein Kloster Mor Mattei, eines der ältesten im Nahen Osten, unterstütze mehrere Tausend geflohene Familien und brauche dafür jeden Monat 20 000 US-Dollar. Dabei müsse seine Gemeinschaft seit sieben Monaten ohne Einkünfte auskommen. In der Ebene von Ninive lebten fast gar keine Christen mehr. Kurdische Peschmerga-Kämpfer versuchen mit Unterstützung von Bombardements durch eine internationale Allianz das Vorrücken des IS aufzuhalten.

Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou, hat ein Umdenken der internationalen Politik im Nahen Osten gefordert. Nötig sei „eine Politik auf Grundlage der Menschenrechte“, die die Interessen anderer Völker respektiere, sagte Garmou, Apostolischer Visitator der Chaldäer für Europa, am Montag der KNA. Der Erzbischof beobachtet die Lage der Christen im Nahen Osten mit wachsender Sorge.

Zwar sieht der gebürtige Iraker die iranische Kirche nicht mit einer Verfolgung durch islamistische Terroristen konfrontiert. Dennoch hält er die Kirchen in der Region für als ganze bedroht. Scharf kritisierte der Erzbischof die westlichen Sanktionen gegen den Iran. Wegen der Sanktionen des Westens wachse die Arbeitslosigkeit. Nun sei auch er Preis für Öl, die wichtigste Einnahmequelle des Iran, gefallen. „Die westliche Politik duldet einfach keinen Fortschritt im Nahen Osten“, beklagte der Erzbischof. „Ich erinnere nur daran, dass die USA 2003 ohne die Zustimmung internationaler Institutionen in den Irak einmarschiert sind. Sie haben ein Land zerstört, um ihre Interessen zu verfolgen. Und heute ist es in den Händen des IS.“

Die US-Außenpolitik fördere den Terrorismus, betonte Erzbischof Garmou: „Als Saddam Hussein Kuwait mit einer der stärksten Armeen der Region besetzte, haben ihn die Amerikaner in wenigen Tagen hinausgejagt. 2003 fiel Bagdad in nur wenigen Tagen in die Hände der Amerikaner. Und nun sollen sie nicht in der Lage sein, ein paar tausend Dschihadisten zu verjagen? Das ist doch eine Lüge.“

Mit Nachdruck betonte der Erzbischof, die Krise im Nahen Osten könne nicht mit Krieg und Waffen gelöst werden. Vielmehr müsste die Politik geändert werden. „Wir brauchen eine Politik auf Grundlage der Menschenrechte; eine, die die Interessen anderer Völker respektiert. Wir dürfen nicht egoistisch sein und nur an unsere eigenen Interessen denken. Ändert eure Herzen!“

Garmou rief dazu auf, die Dramen, die die Christen des Orients in Syrien, Irak oder Palästina erleben, aus dem Glauben zu betrachten: „Man muss man sich nicht wundern, dass Christen heute aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus verfolgt werden. Im Evangelium sagt unser Herr Jesus Christus ganz klar: Eines Tages werdet ihr wegen mir verfolgt, gefoltert und getötet werden. Der Herr ist am Kreuz gestorben – er hat den Tod in Kauf genommen. Als Christen und Jünger Jesu Christi müssen wir ihm auf diesem Weg folgen.“

Garmou erinnerte an Patriarch Raphael Louis Sako, der wünsche, dass die Christen trotz der Krise und des Leids weiter in dieser Region leben können. Sako sage aber, niemanden können gezwungen werden zu bleiben, so der Erzbischof. Christen in dieser Region hätten eine Mission zu erfüllen, ist der Erzbischof überzeugt: „Wir müssen in dieser Region das Zeugnis Jesu Christi ablegen. Das ist der Wunsch unseres Herrn.“

Nach der missionarischen Kraft der Kirche des Ostens gefragt, er: „ Die Kraft der Mission liegt nicht bei uns. Es ist der Heilige Geist, der Zeugen und Heilige hervorbringt. Man muss auf den Geist vertrauen, der die Kirche insbesondere in Zeiten der Verfolgung und des Todes begleitet. Der Heilige Geist gibt den Christen Mut und Kraft, in dieser Krise zu leben und die Hoffnung, die Herzen der Verfolger zu ändern.“ Patriarchen, Pfarrer und Priester seien aufgerufen, die Christen zu ermutigen, standhaft zu bleiben und das Zeugnis fortzusetzen. „Sie sind die ersten, die Zeugnis ablegen müssen. Unser Patriarch hat viel getan, damit die Christen der Region nicht ihre Hoffnung verlieren. An Weihnachten hat er beispielsweise in Erbil in einem Flüchtlingszelt eine Messe gefeiert. Die Pfarrer müssen mit gutem Beispiel vorangehen und sich gegen alle Versuchung und Verfolgung stellen.“

Zuletzt hatte Papst Franziskus den Christen in Nahost seine Solidarität zugesichert. Er bete jeden Tag für ein Ende der „immensen Tragödie“, unter der die Christen besonders in Syrien und im Irak litten, sagte er am Freitag im Vatikan. „Alle Christen sind berufen, in gegenseitiger Achtung und Vertrauen zusammenzuarbeiten, um der Sache des Friedens und der Gerechtigkeit zu dienen“, so Franziskus. Die Katholiken teilten den Schmerz ihrer Glaubensbrüder und anderer Minderheiten, die unter den Konflikten im Nahen Osten leiden müssten. Der Papst lobte außerdem Fortschritte im ökumenischen Dialog.

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