Syrien-Konflikt wird immer brutaler

Lage zunehmend dramatisch, Millionen hungern – Gewalt behindert internationale Hilfe – Ein Drittel der Opfer sind Zivilisten
Foto: KNA | Ging bei seiner Osteransprache auch auf die Lage in Syrien ein: Papst Franziskus.
Foto: KNA | Ging bei seiner Osteransprache auch auf die Lage in Syrien ein: Papst Franziskus.

Istanbul/Damaskus (DT/dpa) Internationale Hilfsorganisationen sehen sich durch die zunehmende Gewalt in Syrien massiv in ihrer Arbeit behindert. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) erklärte am Dienstag, dass seine Mitarbeiter zu vielen der Millionen Hunger leidenden Syrer gar nicht mehr gelangen könnten. Die Organisation rief alle Konfliktparteien auf, Helfern den Zugang auch in umkämpfte Gebiete zu ermöglichen. Laut WFP konnten im März knapp zwei Millionen Menschen in 14 Provinzen erreicht werden.

Allerdings gebe es Probleme im Umland von Damaskus, Kuneitra, Daraa, Deir as-Saur und in vielen nördlichen Regionen, insbesondere Aleppo und Idlib. Lagerhallen und Lastwagen gerieten zunehmend ins Kreuzfeuer. Im März seien beispielsweise drei Lastwagen mit Nahrungsmitteln für 17 000 Menschen in der Provinz Deir as-Saur von einer bewaffneten Gruppe aufgehalten worden. Seit Beginn der Nothilfe im Dezember 2011 habe es mehr als 20 Anschläge auf Lagerhäuser, Lastwagen und Autos gegeben.

Der März ist nach Einschätzung der syrischen Menschenrechtsbeobachter der blutigste Monat seit Beginn des Bürgerkriegs vor zwei Jahren gewesen. Im vergangenen Monat seien 6 005 Menschen bei den Kämpfen zwischen Rebellen und Einheiten des Regimes ums Leben gekommen, teilte die der Opposition nahestehende Organisation mit Sitz in London mit. Zivilisten machten ein Drittel der Opfer aus.

Die Zahl der getöteten Rebellen und Regierungssoldaten habe jeweils bei etwa 1 400 gelegen. Seit Ausbruch der Kämpfe vor zwei Jahren in Syrien haben die Menschenrechtsbeobachter nach eigenen Angaben den gewaltsamen Tod von mehr als 60 000 Menschen dokumentiert. Hinzu kämen geschätzt 12 000 regimetreue Milizionäre. Außerdem seien tausende Menschen vermisst gemeldet. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat der im März 2011 begonnene Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet.

Zunehmend geraten im syrischen Bürgerkrieg auch Journalisten zwischen die Fronten. Der langjährige ARD-Fernsehkorrespondent Jörg Armbruster wurde am Montag schwer verletzt nach Stuttgart geflogen. Er war am Wochenende in der nördlichen Stadt Aleppo angeschossen und zunächst in einem türkischen Krankenhaus behandelt worden. Im syrischen Staatsfernsehen versprach ein Unternehmer ein hohes Kopfgeld auf arabische Journalisten, die im Land unterwegs sind. Nach Angaben der „Reporter ohne Grenzen“ wurden bislang 23 Journalisten in Syrien getötet. Der Bürgerkrieg forderte in den vergangenen drei Tagen laut Opposition insgesamt mehrere hundert Menschenleben. Wie die syrischen Menschenrechtsbeobachter mitteilten, starben allein am Sonntag mindestens 210 Menschen, unter ihnen 20 Kinder.

Nach Erkenntnissen des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND tut sich eine weitere Front auf. „In Syrien gibt es Terrorstrukturen, die zum Netzwerk Al Kaida gehören und die starken Zulauf haben. Es geht inzwischen um mehrere tausend Kämpfer der Jebhat al-Nusra. Im bewaffneten Widerstand gegen Assad spielt diese Organisation eine immer größere Rolle“, sagte BND-Präsident Gerhard Schindler der „Bild am Sonntag“.

Unterdessen nutzte Papst Franziskus seine erste Osterbotschaft vor einem Milliarden-Publikum für eindringlichen Friedensappelle an alle Welt. Dabei äußerte er sich auch zum „geschätzten Land Syrien“. Er verwies auf die vielen Flüchtlinge, die Hilfe und Trost erwarteten. „Wie viel Blut ist vergossen worden“, klagte er. Franziskus äußerte die Hoffnung, dass der auferstandene Jesus den Hass in Liebe verwandle, „die Rache in Vergebung, den Krieg in Frieden“.

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer