Syrer fliehen vor Bomben

Genf/Damaskus (DT/dpa/KAP) Fassbomben, Streubomben, Minen und Raketen – der massive Einsatz hochexplosiver Waffen in Wohngebieten ist nach Einschätzung von Handicap International der Hauptgrund für die Flucht so vieler Menschen aus Syrien. „Unterschiedslose Bombardierungen sowie Beschuss sind in diesem Konflikt zur Regel geworden“, beklagte die Hilfsorganisation für Menschen mit Behinderungen in einem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Bericht. Immer wieder würden Zivilisten mit solchen verheerenden Waffen absichtlich angegriffen. Handicap International appellierte an die Konfliktpartien, in bevölkerten Gebieten keine explosiven Waffen mehr zu verwenden. Abgesehen von der hohen Zahl an Toten verursachten solche Waffen besonders schwere Verletzungen. „In Verbindung mit der mangelnden medizinischen Versorgung und psychologischen Unterstützung in Syrien hat diese Praxis eine verheerende Wirkung“, sagte Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz. „Mit über 1,5 Millionen Verletzten in Syrien wird eine ganze Generation für viele Jahre unter den Spätfolgen leiden müssen.“

Der päpstliche Nuntius in Syrien, Erzbischof Mario Zenari, erinnerte in einem Gespräch mit Radio Vatikan an die eklatanten Völkerrechtsverletzungen bei den Angriffen. Etwa 270 000 Menschen seien in dem von der Opposition gehaltenen Osten der Stadt eingeschlossen. „Die Krankenhäuser sind überfüllt, Medikamente fehlen, vom Himmel regnen Bomben. Ein Albtraum, der die Hoffnungen auf eine Verlängerung des Waffenstillstands für Syrien zerstauben lässt“, so Radio Vatikan über Ostaleppo. „Leider hat man hier nie die Frage des Schutzes der Zivilbevölkerung gelöst“, so Nuntius Zenari: „Die Bevölkerung, darunter sehr viele Kinder, zahlt den Preis für dieses Versagen. Diese Situation muss ein Ende haben. In diesem Konflikt werden nicht einmal die elementarsten Normen des Völkerrechts wie etwa der Schutz der Zivilbevölkerung respektiert.“ Die Lage in Aleppo nannte der Nuntius „nicht hinnehmbar“. Es sei „eine Schande für die internationale Gemeinschaft, dass man so viele Menschen einfach schutzlos ihrem Schicksal überlässt“.

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