Suche nach dem „schwarzen Papst“

„Gemurmel“ in Rom: Die Jesuiten wählen einen neuen Generaloberen – In der Ordensgeschichte ein sehr seltenes Ereignis

Rom (gho) Während Papst Benedikt XVI. am kommenden Montag die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten empfängt und aus diesem Anlass eine Grundsatzansprache halten wird, beginnt wenige hundert Meter entfernt am Sitz der Generalkurie der Jesuiten eine äußerst seltene, dafür aber umso bedeutendere Veranstaltung: Die Gesellschaft Jesu, mit immer noch etwa zwanzigtausend Mitgliedern einer der wichtigsten Männerorden der Kirche, hält die 35. Generalkongregation ihrer Geschichte ab. 225 Delegierte aus 89 Provinzen in aller Welt werden bei diesem höchsten Gremium der Jesuiten Fragen von zentraler Bedeutung für das Selbstverständnis und die apostolische Sendung des Ordens beraten, vor allem aber aller Voraussicht nach einen neuen Generaloberen wählen. Während der Präfekt der für die Missionsgebiete zuständigen Kongregation für die Evangelisierung der Völker aufgrund der Farbe seines Kardinalsgewandes bisweilen auch der „rote Papst“ genannt wird, gilt der Jesuitengeneral als der „schwarze Papst“ – eine Bezeichnung, die auf die Bedeutung des Amtes an der Spitze der Gesellschaft Jesu hinweist.

Die Wahl wird nötig, da der amtierende Generalobere, der Niederländer Peter-Hans Kolvenbach (79), der Kongregation seinen Rücktritt vorschlagen wird. Die Annahme gilt als sicher. Damit wird nach dem krankheitsbedingten Amtsverzicht von Pater Arrupe im August 1981 zum zweiten Mal in der Geschichte des Ordens ein Generaloberer noch zu Lebzeiten abgelöst, obwohl die Wahl gemäß den Satzungen des Ordens auf Lebenszeit erfolgt. Kolvenbach war im September 1983 zum Generaloberen der Jesuiten gewählt worden. Seine Entscheidung für den Rücktritt begründete er gegenüber dem Internet-Nachrichtendienst „Zenit“ mit der gestiegenen Lebenserwartung. Der Ordensgründer sei 65 Jahre alt geworden, seine beiden unmittelbaren Nachfolger seien im Alter von 53 beziehungsweise 62 Jahren gestorben. „Meine Zeit als Generaloberer dauert dagegen schon mehr als 22 Jahre“, meinte Kolvenbach. Das seien Umstände, die mit Recht daran denken lassen, dass es sinnvoll sein kann, hinter einen so langen Zeitraum einen Schlussstrich zu ziehen.“

Das Verfahren zur Wahl des „schwarzen Papstes“ geht auf Bestimmungen des Ordensgründers Ignatius von Loyola zurück. Vier Tage haben die Delegierten Zeit, sich über mögliche Kandidaten für das Amt auszutauschen. Diese vier Tage werden als „murmurationes“ – Gemurmel – bezeichnet. Eine Aufstellung von Kandidaten gibt es nicht, erst recht darf man nicht darauf hinarbeiten, selbst gewählt zu werden. Wählbar sind alle Jesuiten weltweit, die die Profess mit den vier Gelübden (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam und der besondere Gehorsam gegenüber dem Papst) abgelegt haben.

Weitere thematische Schwerpunkte der mehrwöchigen Generalkongregation sind nach Angaben des Ordens Fragen der Leitungsstruktur der Gesellschaft Jesu, die Zusammenarbeit mit Laien, die Ausbildung der Jesuiten sowie die Identität des Ordens und seine Sendung in der Kirche von heute. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orden berufen die Jesuiten eine Generalkongregation nur dann ein, wenn entweder der Generalobere gestorben ist oder wenn wichtige Fragen anstehen, die auf Weltebene geklärt werden müssen. Seit Gründung des Ordens 1539 haben insgesamt erst 34 Generalkongregationen stattgefunden, die letzte von Januar bis März 1995.

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