Streit um AfD-Position zum Islam

Woelki: „Solche Alternativen brauchen wir nicht“ – Meuthen: „Muslime müssen ihren Glauben auch in Deutschland leben können“
Foto: dpa | Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.
Foto: dpa | Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.

Köln/Frankfurt (DT/KNA/reh) Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Aussage führender AfD-Politiker, wonach der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei, scharf kritisiert. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eine ganze Religion, ja, eine der großen Weltreligionen wird hier in gehässiger Absicht an den Pranger gestellt“, sagte er am Sonntag auf domradio.de.

Ein Blick ins Grundgesetz hätte gereicht, um festzustellen, dass in Deutschland Religionsfreiheit gelte. So dürfe niemand, weder Christen noch Muslime, aufgrund seines Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden. „Wer Muslime, so wie die AfD-Parteispitze, verunglimpft, der sollte sich klar machen, dass Gebetshäuser und Moscheen hier genauso durch das Grundgesetz geschützt sind wie unsere Kirchen und Kapellen“, unterstrich Woelki.

Der Islam sei genauso mit dem Grundgesetz vereinbar wie Judentum oder Christentum. „Hier lassen gläubige Muslime, Juden und Christen sich nicht auseinanderdividieren“, so der Kardinal. Wer aber die grundgesetzlich garantierte Glaubens- und Religionsfreiheit infrage stelle, müsse sich selbst fragen, ob er mit seinen „angstschürenden Forderungen den Boden des Grundgesetzes nicht längst verlassen“ habe, erklärte der Kölner Erzbischof. Gerade die leidvolle deutsche Geschichte verpflichte hier ganz besonders. „Nie wieder dürfen bei uns Menschen aufgrund ihrer Rasse, Herkunft oder Religion ausgegrenzt und verfolgt werden“, forderte der Kardinal. „Nein, solche Alternativen für Deutschland brauchen wir nicht!“

Unterdessen hält die AfD wenige Tage vor ihrem Parteitag am Wochenende in Stuttgart an einem islamkritischen Kurs fest. „Es gibt ja schon eine schleichende Islamisierung durch die Bevölkerungsentwicklung“, sagte der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen in einem am Montag erschienenen Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z). Damit male er „nicht den Teufel an die Wand“, sondern „ich rechne nur nüchtern, wenn ich mir die Zahlenentwicklungen anschaue und in die nahe Zukunft weiterrechne.“

Er wolle aber keine Islamisierung. „Ich will, dass auch für meine Enkel hier zu Hause noch das Geläut der Kirchenglocken das geistliche Geräusch ist, das sie hören, und nicht der Ruf des Muezzins.“ Auf den Einwurf der F.A.Z., wenn das Glockengeläut verschwände, dann weil Christen nicht mehr in ihre Kirchen gingen und „nicht weil die Muslime ihnen den Weg versperren“, sagte Meuthen: „Ich gebe ihnen recht, das ist bedauerlich und nun wahrlich nicht den Muslimen zum Vorwurf zu machen. Die gehen in ihre Moscheen, viele Christen gehen aber nicht mehr in die Kirche.“

Den Islam beschrieb Meuthen als besonders gefährlich: „Dem Islam wohnt als Religion eine Gefahr inne, die andere Religionen so nicht haben.“ Nur sehr wenige Muslime seien Terroristen, aber nahezu aller Terrorismus jüngeren Datums habe einen islamischen Hintergrund.

Meuthen und der stellvertretende Bundesvorsitzende Alexander Gauland, der ebenfalls an dem Interview teilnahm, bekräftigten die Haltung der stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch, dass der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Meuthen sagte: „Was die politisierte Form des Islam angeht, ist das sicher so.“ Gauland sagte zu den Äußerungen von Storchs: „Ja, da hat sie recht. Der Islam ist eine politische Religion. Als solche ist sie aus vielen Gründen, die man in der Scharia nachlesen kann, nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.“

Das habe aber nichts damit zu tun, dass es viele muslimische Gläubige gebe, die Deutsche seien und die ihren Glauben in einem Land mit Religionsfreiheit ausüben könnten. Gläubige Muslime könnten ihre Religion privat ausüben, ohne dass der politische Überbau eine Rolle spiele.

Auch Meuthen sagte: „Muslime müssen ihren Glauben auch in Deutschland leben können. Dazu gehören auch Moscheen. Die stellen wir nicht in Frage, solange sie friedfertig laufen. Wenn aber Moscheen neu gebaut werden, die Länder wie Saudi-Arabien oder Qatar finanzieren und über die dann extremistische Strömungen einfließen, dann wenden wir uns entschlossen dagegen.“

Auf ihrem Parteitag in Stuttgart will die AfD ihr Grundsatzprogramm verabschieden. Dabei soll der Islam als Religion als unvereinbar mit der freiheitlichen Verfassung beschrieben werden. Laut von Storch will die Partei unter anderem Minarette und Muezzin-Rufe verbieten.

Themen & Autoren

Kirche