Stark machen für Familie, Werte und ein christliches Europa

Der Europaabgeordnete Martin Kastler (CSU) sieht Chancen für neue Mehrheiten im Europäischen Parlament

Was bedeutet das Ergebnis der Europawahl für die künftige Arbeit im Parlament?

Die konservativen Fraktionen sind stärker geworden und das vor allem mit großem Abstand zu den Sozialisten. Das gibt Hoffnung gerade auch in ethischen Fragen. Wir werden im neuen Parlament mit neuen Mehrheiten auch andere Dinge akzentuieren können.

Heißt das, dass es christliche, wertkonservative Positionen leichter haben werden?

Das jetzt schon sagen zu wollen, wäre Prophetie. Aber auch die Grünen sind gestärkt aus diesen Wahlen hervorgegangen und da sind einige Wertkonservative mit ins Parlament gekommen. Deshalb hoffe ich, dass wir einige Debatten neu führen können.

Was sagt das Wahlergebnis über die Situation der CSU aus?

Wir sind wieder nahe der 50-Prozent-Marke. Das stimmt mich sehr hoffnungsfroh. Gerade nachdem einige – auch innerparteilich – gezweifelt haben, wie es weitergeht. Ich bedauere, dass wir in Franken nicht besser abgeschnitten haben. Da wirken die Vorgänge um Günter Beckstein und Ingo Friedrich noch nach. Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen.

Was muss angesichts der schlechten Wahlbeteiligung geschehen, um Anliegen und

Bedeutung der Europapolitik den Bürgern transparenter zu machen?

Wir müssen die Menschen wieder mehr beteiligen. Deshalb war es richtig, im Wahlprogramm direkte Wahlkreise für das Europäische Parlament zu fordern und auch Volksentscheide auf höherer Ebene zulassen zu wollen. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen wieder mehr mitbestimmen können und dadurch auch wieder mehr zu den Wahlen gehen.

Frau Merkel und Herr Steinmeier waren im Wahlkampf intensiv plakatiert. Werten die Parteien die Europapolitik nicht ab, wenn man Europawahlen zum Stimmungstest für den Bund macht?

Ob man sie abwertet, weiß ich nicht. Man nimmt das Spitzenpersonal der Parteien gerne auf Plakate. Das haben alle gemacht. Grundsätzlich denke ich, es würde weiterführen, wenn wir mehr europäische Themen und europäische Politiker plakatieren und öffentlich darstellen würden. Das wird in Zukunft auch notwendig sein, damit wir in den nächsten fünf Jahre besser wahrgenommen werden. Es kann ja nicht sein, dass Europapolitiker alle fünf Jahre plötzlich auftauchen wie Phönix aus der Asche und man ansonsten wenig Notiz von ihnen nimmt. Wir sind kontinuierlich am Arbeiten. Deshalb müssen wir uns bemühen, dass wir nicht nur in der Parteiöffentlichkeit, sondern auch im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürgern dauerhaft präsent sind.

Als bekennender Katholik haben Sie sich im Europäischen Parlament und in Ihrer Partei unter anderem für den Sonntagsschutz und einen konsequenten Lebensschutz engagiert. Wo möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode Akzente setzen?

Die Themen bleiben. Ich will mich weiter für Familie, Werte und ein christliches Europa stark machen. In welchen Ausschüssen das sein wird, kann ich noch nicht sagen, aber ich bin in diesem Bereich engagiert in meiner Kirche und will das auch einbringen. Ich bin keiner, der seine Konfession an der Garderobe des Parlaments abgibt.

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