„Ständige Mission auf dem Kontinent“

Der Papst ist in León in Mexiko: Der Ortsbischof hebt die Bedeutung aller Getauften im Kampf gegen die Sekten hervor. Von Regina Einig
Foto: IN | leitet die Erzdiözese León.
Foto: IN | leitet die Erzdiözese León.
Exzellenz, wie haben sich die Gläubigen Ihrer Diözese auf den Besuch des Heiligen Vaters vorbereitet?

Von Anfang an haben wir Wert darauf gelegt, dass die Gläubigen ein richtiges Bild vom Nachfolger Petri bekommen – in bezug auf seine Person, seinen Werdegang und das Amt, das er in der Kirche ausfüllt. Jede Pfarrei hat diesem Thema fünf Katechesen gewidmet, damit die Menschen mit der Person des Heiligen Vaters vertrauter werden und eine genauere Vorstellung davon bekommen, wer er ist. Darüber hinaus haben wir mit den Verbänden und apostolischen Gruppen einige Initiativen ins Leben gerufen, um sich geistlich auf die Begegnung mit dem Stellvertreter Christi einzustimmen. Das geschah durch eucharistische Anbetung, Gebetstreffen, geistliche Blumensträuße und das Rosenkranzgebet. Die jüngsten Katecheseteilnehmer waren drei Jahre alt, die ältesten im Rentenalter. Alle haben gebetet und Opfer gebracht für die geistlichen Früchte des Papstbesuchs. In dieser Meinung haben die Priester jeden Tag die heilige Messe gefeiert und die Gläubigen aufgefordert, sich durch die Beichte geistlich auf das Ereignis vorzubereiten. In der Nacht zum Sonntag werden tausende Jugendliche im Bicentenario-Park, wo die Papstmesse gefeiert wird, vor dem Allerheiligsten Anbetung halten.

Was erwartet die Jugend von Papst Benedikt?

Sie legen die Messlatte hoch. Sie erwarten nicht, dass er ihnen eine weitere Möglichkeit aufzeigt, sondern die einzig richtige: Christus. Sie wollen im Glauben ermutigt werden und Hoffnung schöpfen. Jugendlichen fällt es heute schwer, den Sinn des Lebens zu finden und sich zurechtzufinden zwischen allen Möglichkeiten, die das Leben bietet. Der Heilige Vater ist für sie der Vermittler der guten Nachricht, der sie ermutigt, ihr Leben wieder mit Christus zu gestalten.

Während seiner Brasilienreise 2007 hat Papst Benedikt den Drogenhändlern ins Gewissen geredet und sie daran erinnert, dass Gott einst Rechenschaft von ihnen verlangt. Erwarten Sie ähnlich klare Worte aus dem Mund des Heiligen Vaters an die Adresse der Drogenkartelle in Mexiko?

Ich weiß nicht, mit welchen Formulierungen sich der Heilige Vater dieses Themas annehmen wird. Der Drogenhandel hat unserem Land immensen Schaden zugefügt. Aber ich bin sicher, dass er in einer prophetischen Botschaft klar und ohne Angst die Ungerechtigkeiten anprangern wird, die unschuldigen Menschen widerfahren.

Wie können sich die Europäer Ihrer Meinung nach am wirksamsten mit den Christen in Mexiko solidarisieren?

Für Christen gibt es keine Grenzen und wenn ein Glied am Leib der Kirche leidet, leiden alle andern mit. In der Gebets- und Eucharistiegemeinschaft leben wir das.

Wie beurteilen Sie das Phänomen der Mitgliederanwerbung durch Sekten in Mexiko?

Der Proselytenmacherei eines Teils der Sekten in Mexiko steht im Brennpunkt unserer Seelsorge. Wir achten nicht nur auf diejenigen, die kommen, sondern auch auf diejenigen, die möglicherweise gehen wollen. Es geht für die Kirche mehr um die Herausforderung, denen nachzugehen, den Bedürftigsten nachzugehen, die nach dem Wort Gottes hungern, als Konflikte wegen der Verkündigungsarbeit protestantischer Sekten heraufzubeschwören. Daraus hat die Lateinamerikanische Bischofskonferenz den Schluss gezogen, dass wir auf dem ganzen Kontinent eine ständige Mission brauchen, um die christliche Identität zu stärken und dass alle Getauften Auskunft geben können über ihren Glauben.

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