Spionage-Affäre weitet sich aus

Berlin/New York (DT/dpa) Die Spionageaffäre mit den USA weitet sich aus: Die Bundesanwaltschaft bestätigte gestern, dass gegen einen weiteren mutmaßlichen Spion ermittelt wird. Polizei und Bundesanwaltschaft durchsuchten im Großraum Berlin die Wohn- und Büroräume eines Verdächtigen. Es bestehe der Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Eine Festnahme habe es nicht gegeben. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass es „in seinem Bereich“ Ermittlungen gebe. Demnach könnten das Ministerium, die Bundeswehr oder auch der Militärische Abschirmdienst betroffen sein. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ wird der neue Fall von Experten noch ernster eingeschätzt als der Verdacht gegen einen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), der für die CIA gearbeitet haben soll. Wegen der Spionageaffäre hatte der US-Botschafter in Berlin, John B. Emerson, gestern erneut einen Termin im Auswärtigen Amt. Zum Inhalt des Gesprächs, das von deutscher Seite von Staatssekretär Stephan Steinlein geführt wurde, gab es zunächst keine näheren Angaben. Vermutet wird, dass der Botschafter selbst um den Termin gebeten hatte. Emerson war erst am Freitag zum Gespräch zitiert worden. Ferner soll laut einem Bericht von „Spiegel-Online“ CIA-Chef John Brennan in Kontakt mit dem Kanzleramt getreten sein. Er habe gestern mit dem deutschen Geheimdienstkoordinator Klaus-Peter Fritsche telefoniert, um den Schaden zu begrenzen. Über den Inhalt des Gesprächs hüllten sich beide Seiten in Schweigen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte in den vergangenen Tagen von den USA mehrfach volle Aufklärung verlangt. Unterdessen berichtet die „New York Times“, dass US-Präsident Obama nicht über die Spionageaffäre Bescheid wusste, als er am vergangenen Donnerstag mit Bundeskanzlerin Merkel telefonierte. Der in der Vorwoche festgenommene BND-Mitarbeiter soll für die CIA tätig gewesen sein. Er soll innerhalb von zwei Jahren 218 Dokumente für 25 000 Euro an US-Geheimdienste verkauft haben. Merkel habe das Thema in dem Telefonat mit dem US-Präsidenten nicht angesprochen, so das Blatt. Im Weißen Haus sei man besorgt, dass der Fall die Beziehungen mit Deutschland belasten könnten.

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