Soziale Stigmatisierung stoppen

Welt-Aids-Konferenz diskutiert über Prävention und Hilfen – Bischof: Den Kranken zuwenden

Mit Appellen gegen eine Verharmlosung der Immunschwächekrankheit ist gestern in Mexico-Stadt die 17. Internationale AIDS-Konferenz zu Ende gegangen. Trotz einiger Fortschritte seien größere Anstrengungen im Kampf gegen Aids nötig, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er rief dazu auf, die Diskriminierung und Stigmatisierung von Infizierten zu beenden.

Ban Ki Moon versicherte, der Kampf gegen die weltweite Aids-Epidemie werde den Vereinten Nationen weiterhin ein wichtiges Anliegen sein.

Der Direktor des UN-Programms UNAids, Peter Piot, mahnte, es gebe trotz der Ergebnisse seit der letzten Konferenz 2006 im kanadischen Toronto keinen Anlass zur Entwarnung. Vor allem keinen Zugang zu Medikamenten. Piot forderte einen gerechteren und breiteren Zugang zu Behandlungen. „Wir können und wir müssen besser werden“, mahnte der Präsident der Internationalen AIDS-Gesellschaft, Pedro Cahn.

Mehr als 23 000 Teilnehmer befassten sich bei dem Kongress mit den Ursachen für Aids und diskutierten gemeinsamen Strategien zur Bekämpfung der Krankheit. Nach Angaben der Veranstalter wurden insgesamt 7 500 Diskussionsbeiträge eingereicht. Auch das Interesse der internationalen Presse war groß: Über 3 000 Medienvertreter haben von dem Kongress berichtet. Die Weltaidskonferenz fand erstmals in Lateinamerika statt. Sie stand unter dem Motto „Universal Action Now“. Am Rande der Konferenz kam es zu mehreren Demonstrationen. Pro-Leben-Aktivisten verbrannten Kondome, während Homosexuellengruppen und Prostituierte ein Ende der Diskriminierung forderten. Nach Angaben von UNAIDS leben weltweit rund 33 Millionen Menschen mit dem Aids-Erreger. Wie aus einem Bericht hervorgeht, steckten sich im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Menschen neu an, zwei Millionen Erkrankte starben. 67 Prozent der Infizierten lebten in Afrika, wo die Krankheit die häufigste Todesursache sei. Mexikos Präsident Felipe Calderon Hinojosa hatte die Konferenz eröffnet. Er betonte, dass es beim Kampf gegen Aids nicht nur um die Gesundheit gehe, sondern auch um die Menschenrechte. Mit Nachdruck rief er dazu auf, die soziale Stigmatisierung und Diskriminierung von Aids-Infizierten zu beenden. Calderon forderte sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene den Zugang zu antiretroviralen Medikamenten zu verbessern. Antiretrovirale Medikamente hemmen die Reproduktion von Retroviren wie den HIV-Virus und erhöhen so die Lebenserwartungen um ein mehrfaches.

Zentrale Themen der Konferenz waren das Bemühung um verstärkte Prävention und verbesserte Behandlung. Außerdem ging es um Fürsorge und Unterstützung für Aids-Patienten. Zahlreiche internationale Nicht-Regierungsorganisationen und Institutionen, die nach Mexiko-Stadt gekommen waren propagierten überwiegend das Kondom als die einzige und sicherste Präventionsmethode. Anders die katholische Kirche. Auch Kirchenvertreter sprachen sich für verstärkte Präventionsmaßnahmen aus, betonten aber, dass Abstinenz und Treue die beste und einzige sichere Alternative sei, um die Aids-Epidemie zu stoppen.

Zu diesem Thema stellte die Bischöfliche Kommission für Sozialpastoral in Mexiko (CEPS) jüngst ein Dokument vor, das sich mit dem Engagement aus dem Glauben „für das würdevolle Leben unserer an HIV erkrankten Brüder und Schwestern“ befasst. Bei der Vorstellung des Schreibens verneinte der Vorsitzende der CEPS, Gustavo Rodríguez Vega, dass die aus der Kirchenlehre hervorgehenden Empfehlungen keineswegs ein Hindernis für die Bemühungen im Bereich der Informationsverbreitung und Prävention seien. Vega hob hervor, dass die Prinzipien der Kirche deutlich seien, aber durchaus mit den Gesundheitsprogrammen der Regierungen oder anderer Autoritäten koalieren könnten. Vega sagte, verschiedene internationale Erfahrungen würde belegen, dass Abstinenz und Treue der beste Einsatz im Kampf gegen Aids seien. „Wir vertrauen dieser Methode, weil wir gute Beispiele aufweisen können.“. So habe beispielsweise die Regierung Ugandas von 1992 bis heute durch Maßnahmen zur Förderung von Abstinenz und Treue in der Ehe die Rate der HIV-infizierten Personen von 18 Prozent auf heute 6,7 Prozent. gesenkt.

Der Weihbischof von Monterrey, einer der größten Städte im Norden Mexikos, rief dazu auf, verstärkt gegen die Diskriminierung von Aids-Infizierten vorzugehen. „Nächstenliebe steht allen zu“, betonte er. Sie schließe alle ein. Ob Prostituierte oder Drogenabhängige: „Allen gehört unsere Zuwendung“. Das Anliegen der Kirche in Mexiko sei, sich menschlich und christlich besonders um die an Aids Leidenden zu kümmern und die Krankheit nicht zu einer Schuldfrage zu machen.

Aus Anlass der Welt-Aids-Konferenz in Mexiko forderte Caritas International mehr Hilfe für aidskranke Kinder gefordert. Es fehle an Geldern für eine kindgerechte Therapie, sagte der Aids-Referent von Caritas Internationalis, Robert Vitillo, im Interview mit Radio Vatikan. Auch mit Blick auf die Sensibilisierung und Erziehung der Menschen sei „noch viel zu tun“. Statt bloßer Information gehe es um die Vermittlung von Werten und die Achtung vor dem eigenen wie dem fremden Körper. Die Kirche und ihre sozialen Einrichtungen forderte Vitillo auf, ihren Einsatz für HIV-Infizierte in Zukunft noch zu verstärken.

Die Krankheit betreffe nicht nur die gesundheitliche Ebene, sondern beeinflusse auch soziale Strukturen. Zugleich würdigte Vitillo einen leichten Fortschritt bei der medizinischen Versorgung aidskranker Erwachsener. Rund 30 Prozent der HIV-Infizierten würden mittlerweile mit antiretroviralen Medikamenten versorgt.

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