Simbabwe: Lage weiter unklar

Johannesburg/Harare (DT/dpa) In Simbabwe hat sich die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) zum Wahlsieger der Präsidentenwahl erklärt. Auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Harare sagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti gestern: „Morgan Tsvangirai hat die Wahl gewonnen.“ Er sei der nächste Präsident Simbabwes. Biti berief sich auf die Auszählung der bisher veröffentlichten Einzelergebnisse der Wahllokale. Die Parallel-Auszählung fand unabhängig von der offiziellen Wahlkommission statt.

Die staatlichen Medien hatten zuvor noch die Möglichkeit einer Stichwahl angedeutet. Der staatlich kontrollierte „Herald“ berichtete gestern, bei den Präsidentschaftswahlen sei eine zweite Runde wahrscheinlich, da weder Amtsinhaber Robert Mugabe noch der Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai die absolute Mehrheit erreicht habe. Das Blatt stützt sich dabei auf die bisher bekanntgewordenen Ergebnisse der Parlamentswahl, wo sich weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Parteien abzeichnet. Wie offiziell verkündet, errang die regierende Zanu-PF-Partei bei den Parlamentswahlen in 188 der 210 Wahlkreise 92 Sitze, die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai 91 und die MDC-Splitterpartei von Arthur Mutambara fünf Sitze. Die offiziellen Ergebnisse der am Samstag ebenfalls abgehaltenen Präsidentenwahl stehen bisher noch aus. Sie sollen nach den Ergebnissen der Parlamentswahl und denen für die Besetzung des Senats verkündet werden. Die zähe Auszählung hat Sorge vor massivem Wahlbetrug ausgelöst.

Der südafrikanische Erzbischof und Friedens-Nobelpreisträger Desmond Tutu rief beide Parteien dazu auf, alles zu tun, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Im westlichen Ausland wird der Ruf nach einem Regierungswechsel lauter. Berichte, wonach Zanu-PF-Vertreter bereits mit der Opposition über einen Rücktritt des Staatschefs verhandeln, wurden jedoch von allen Seiten dementiert. (Siehe Seiten 2 und 3).

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