Schuldfrage nach Transrapid-Aus

München (DT/dpa) Nach dem Aus für den Münchner Transrapid haben sich Politiker gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Magnetschwebebahn zugewiesen und zugleich die Rolle der Wirtschaft kritisiert. Die Politik müsse sich auf die Kalkulationen der Industrie, die noch im Herbst viel niedriger lagen, verlassen können, sagte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) der „Passauer Neuen Presse“. Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Klaas Hübner, hielt wiederum der bayerischen Landesregierung Versäumnisse vor. „Die Strategie der Landesregierung, dem Bund immer mehr Kosten aufzuladen, ist nicht aufgegangen.“

Sogar aus den eigenen Reihen musste Beckstein Vorhaltungen einstecken. „Dem Ministerpräsidenten dürften die neuen Zahlen sehr gelegen gekommen sein. Anders ist die Hals-über-Kopf-Entscheidung nicht erklärbar“, sagte der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) findet das Aus für den Münchner Transrapid „äußerst bedauerlich“, erklärte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg gestern in Berlin. Es sei schade, dass es Politik und Wirtschaft nicht gelungen sei, wegen der gewaltigen Kostensteigerungen die kommerzielle Nutzung der Zukunftstechnologie zu realisieren.

Unterdessen erwägt der Industriekonzern ThyssenKrupp laut Medienbericht den Verkauf der Transrapid-Antriebstechnologie nach China. Das Unternehmen wolle in den kommenden Wochen Verhandlungen mit der chinesischen Regierung über einen Transfer beginnen, berichtet „Welt Online“ unter Berufung auf Unternehmenskreise.

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