„Schaut auf Christus, er liebt Euch“

Papst Benedikt XVI. in Madrid erwartet – Kardinal Rouco Varela ruft Jugendliche zu Evangelisierung auf. Von Claudia Kock
Foto: dpa | Grenzenlose Gemeinschaft: Weltjugendtag in Madrid.
Foto: dpa | Grenzenlose Gemeinschaft: Weltjugendtag in Madrid.

Madrid/Castel Gandolfo (DT/Re/KNA) Papst Benedikt XVI. hat die Gläubigen in aller Welt dazu aufgerufen, für den derzeit in Madrid stattfindenden Weltjugendtag zu beten. Bei der Generalaudienz in Castel Gandolfo sagte der Heilige Vater am Mittwoch: „Morgen begebe ich mich nach Madrid, wo ich die Freude haben werde, zahlreiche Jugendliche zu treffen, die zum 26. Weltjugendtag zusammengekommen sind.“ Benedikt XVI. bat die Gläubigen um ihr Gebet für dieses „wichtige kirchliche Ereignis“. Der Weltjugendtag in Madrid wurde am Dienstagabend offiziell mit einem Gottesdienst im Zentrum der Stadt eröffnet. Spanische Medien sprachen von einer Million Teilnehmer. Heute wird in Madrid die Ankunft des Papstes erwartet.

In seiner Predigt bei der Eröffnungsmesse im Zentrum Madrids hob Kardinal Antonio Maria Rouco Varela die besonderen Lebensumstände der jungen Generation hervor, die durch Globalisierung, mediale Vernetzung und die Wirtschaftskrise geprägt sei. Im Mittelpunkt des Eröffnungsgottesdienstes stand die Gestalt des seligen Johannes Paul II. (1978-2005), der die seit 1985 stattfindenden Treffen ins Leben gerufen hatte. Der Schlüssel zu seinem Leben sei „nichts anderes als die flammende Liebe zu Jesus Christus“, sagte Rouco Varela. Während des Gottesdienstes wurde eine Blutreliquie Johannes Pauls II. gezeigt.

Die heutige „Generation Benedikt“ sei nicht die gleiche wie zu Zeiten Johannes Pauls II., sagte Rouco Varela unter Verweis auf Globalisierung und eine neue wirtschaftliche Unsicherheit. Vor allem seien ihre „existenziellen Wurzeln geschwächt durch einen um sich greifenden spirituellen und moralischen Relativismus“. Immer wieder bezog sich der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz in seiner Ansprache auf den seligen Johannes Paul II. Mit ihm habe ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Beziehung zwischen dem Nachfolger Petri und der Jugend begonnen, sagte der Kardinal. Und verwies auf das Glaubenszeugnis des polnischen Papstes. „Er erlitt den Schmerz der Verfolgung um Christi willen vor und nach seiner Wahl auf den Stuhl Petri: im wahrsten Sinne des Wortes bis aufs Blut. Als unerbittlicher Zeuge der Wahrheit und der christlichen Hoffnung lebte er diese Wahrheit: ,Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?‘. Er hatte keine Angst vor irgendeiner Opposition innerhalb oder außerhalb der Kirche. Er war ein mutiger Kämpfer für Christus! Nichts konnte ihn trennen von seiner Liebe.“ Eben diese leidenschaftliche Liebe des Papstes zu Christus habe die Jugendlichen angezogen und gefesselt. „Sie verstanden, dass sie vom Papst wirklich geliebt wurden: ohne Schmeichelei und Verstellung, weder eigennützig noch verlogen noch oberflächlich, sondern mit der ganzen Echtheit dessen, der nur ihr Wohl sucht, das Wohl ihres Lebens: Ihr Glück! Ihre Rettung! Und er suchte es durch die vorbehaltlose Hingabe seines ganzen Lebens“, betonte Rouco Varela.

Den in Madrid versammelten Jugendlichen rief der Kardinal zu: „Ihr seid die Generation Benedikts XVI. Es ist nicht dieselbe wie die Johannes Pauls II. Euer ,Sitz im Leben‘ hat seine besonderen Eigenschaften. Eure Probleme und Lebensumstände haben sich verändert. Die Globalisierung, die neuen Kommunikationstechniken, die Wirtschaftskrise und so weiter, beeinflussen euch positiv und vielfach auch negativ.“ Die „existenziellen Wurzeln“ der Jugendlichen von heute, seien „durch einen wuchernden geistlichen und sittlichen Relativismus geschwächt“, hob der Erzbischof hervor. In der gegenwärtigen Kultur und Gesellschaft und nicht selten auch in der eigenen Familie fänden viele keine festen Grundlagen für ihr Leben. „Man versucht euch bis zum Äußersten, bis man euch die Orientierung auf dem Lebensweg verlieren lässt: Wie sollte euer Glauben nicht manchmal ins Wanken kommen?“ Gerade in dieser Situation sei es wichtig, den Blick auf Christus zu richten und in den Dialog mit ihm zu treten. „Er liebt Euch, ohne dafür etwas zu verlangen, außer der Antwort seiner Liebe.“

„Haltet euch in diesen Tagen vor Augen, dass der Herr euch durch den Papst fragen wird: Nehmt ihr die wunderbare und schöne Herausforderung der Neuevangelisierung eurer Altersgenossen an?, sagte Rouco Varlea und fuhr fort: „Antwortet mit ,Ja‘ und denkt an den leidenschaftlichen und mutigen Aufruf Johannes Pauls II.: ,Habt keine Angst, Heilige zu sein! Lasst Christus in euren Herzen regieren!‘ Sagt ,Ja‘ zu ihm mit all der Phantasie und der großherzigen Öffnung gegenüber den großen Idealen des Lebens, die euch zu eigen ist. Antwortet auf den erneuten Aufruf Benedikts XVI. mit dem klaren und konsequenten Einsatz des Lebens! Die Evangelisierung geschieht durch Worte und Werke, heute mehr denn je.“

Der Präsident des vatikanischen Laienrates, Kardinal Stanislaw Rylko, betonte in einem Grußwort, vom Weltjugendtag müsse die klare Botschaft ausgehen, dass der Glaube auch in einer Welt möglich sei, die Gott ablehne und so lebe, als gebe es ihn nicht. „Der Glaube ist ein entscheidender Faktor im Leben jedes Menschen“, betonte Rylko, der für die Vorbereitung und Durchführung des Jugendtage zuständig ist. Alles richte sich nach der Frage, ob es Gott gebe oder nicht gebe, betonte er laut der am Dienstag vom Vatikan verbreiteten Botschaft. Der Glaube sei die Wurzel, die ihre Kraft aus dem Wort Gottes und den Sakramenten erhalte. Er sei die Grundlage, auf dem man sein Leben aufbaue, und er sei der sichere Kompass, der dem Leben die richtige Orientierung gebe. Der Glaube sei „ein wunderbares Abenteuer, das uns erlaubt, die ganze Größe und Schönheit unseres Lebens zu entdecken“, so Kardinal Rylko. Er nehme nichts vom Menschsein weg, sondern vergrößere und erhöhe es über alle Vorstellungen hinaus.

An der Messe nahmen mehr als 800 Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle sowie 8 000 katholische Priester aus aller Welt teil. Von dem Platz aus wurde das Geschehen auch in die umliegenden Straßen übertragen.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hofft auf nachhaltige Impulse vom katholischen Weltjugendtag in Madrid. „Die Jugendlichen sollen mit ihrer Christus-Fröhlichkeit alle anstecken“, sagte Meisner am Dienstag gegenüber dem katholischen Fernsehsender EWTN. Weltjugendtage seien „kein Urlaub, sondern eine körperliche Strapaze“, betonte der Kölner Erzbischof. Doch trotz aller Mühen komme man „gestärkt im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe wieder zurück“. Ihn freue es sehr, „dass die Jugendlichen trotz der Hitze innerlich frisch, fröhlich und gläubig sind“, erklärte Meisner.

Am Dienstag vereitelte die spanische Polizei nach eigenen Angaben einen Anschlag auf Papstgegner beim Weltjugendtag vereitelt. Ein Polizeisprecher bestätigte die Verhaftung eines jungen Spaniers, der vorgehabt habe, beim für Mittwoch geplanten Protestmarsch gegen den Papstbesuch chemische Substanzen auf die Papstgegner zu werfen. Nähere Angaben über Person und Motive wurden nicht bekanntgegeben. ((Zum Weltjugendtag siehe auch Seiten 5 und 6).

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