Hongkong

Repressionen gegen Katholiken in Hongkong nehmen zu

In Hongkong wurden katholische Menschenrechtler zu Haftstrafen verurteilt.

Gerichtsurteil gegen Hongkonger Aktivisten
Die Haftstrafe für Rechtsanwalt Martin Lee wurde zur Bewährung ausgesetzt. Foto: Vincent Yu (AP)

Zehn prominente Verteidiger von Demokratie und Rechtsstaat in Hongkong sind am 16. April zu Haftstrafen verurteilt worden, unter ihnen der katholische Medienunternehmer Jimmy Lai (73) und der katholische „Vater der Demokratie“ Hongkongs, der Rechtsanwalt Martin Lee (82). Die weiteren Verurteilten sind Albert Ho, Maragaret Ng, Cyd Ho, Lee Cheuk-yan, Leung Kwok-hung, Au Nok-hin, Leung Yiu-chung und Yeung Sum.

Die Freiheitsstrafen reichen von acht bis zwölf Monaten, wobei sie in fünf Fällen zur Bewährung ausgesetzt wurden. Alle wurden wegen der Teilnahme an einer großen friedlichen Demonstration am 18. August 2020 bestraft. Mit Ausnahme von Jimmy Lai sind alle Verurteilten frühere Abgeordnete. Gegen Jimmy Lai werden noch zwei zusätzliche Anklagen erhoben, mit weiteren Verurteilungen für ihn ist zu rechnen. Jimmy Lai, der bereits in Haft war, wurde zu zwölf Monaten ohne Bewährung verurteilt, und unmittelbar darauf auch noch zu zwei weiteren Monaten wegen der Teilnahme an einer Gebetskundgebung am 31. August 2020. Die Haftstrafe für Martin Lee von elf Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sowohl Jimmy Lai als auch Martin Lee sind enge Freunde von Hongkongs früherem Erzbischof, Kardinal Joseph Zen.

"Rachsüchtiges Verhalten eines bösen Regimes"

Der letzte britische Gouverneur Hongkongs, Chris Patten, bezeichnete die Inhaftierung Jimmy Lais als „rachsüchtiges Verhalten eines bösen Regimes“. Die chinesischen Kommunisten würden Lai hassen, weil er „ein Beispiel dafür ist, wie man ein chinesischer Patriot sein und zugleich die kommunistische Partei hassen“ könne. Patten sagte, Lai hätte mit seinem Vermögen bis vor kurzem jederzeit Hongkong verlassen und in den USA oder Taiwan leben können: „ Aber er entschloss sich zu bleiben und zu kämpfen.“

Jimmy Lai war als Junge vor den Kommunisten auf dem Festland mit einem Fischerboot nach Hongkong geflohen, wo er es zum Milliardär brachte. Er ließ sich katholisch taufen, spendete Millionen Dollar für die Kirche und engagierte sich für die Demokratiebewegung, insbesondere mit seiner Tageszeitung „Apple Daily“.

Ein Sprecher des auswärtigen diplomatischen Dienstes der EU (EEAS) erklärte zu den Verurteilungen: „Die lange Inhaftierung von Personen wegen gewaltloser Ausübung von Bürgerrechten zeigt die Erosion der Grundfreiheiten in Hongkong.“ Die Ausübung von Grundfreiheiten einschließlich der friedlichen Versammlung würden im Hongkonger Grundgesetz und der chinesisch-britischen Erklärung von 1984 garantiert: „Diese Entwicklungen in Hongkong stellen den Willen Chinas infrage, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten, untergraben das Vertrauen und wirken sich auf die Beziehungen zwischen der EU und China aus.“

Das alte Hongkong gibt es nicht mehr

Pater Gianni Criveller vom Päpstlichen Institut für Auslandsmissionen in Mailand, der lange in China lehrte, schrieb in einem Beitrag für den katholischen Mediendienst „UCA News“ über die Hafturteile: „Hongkong, wie wir es gekannt haben, gibt es nicht mehr.“ Er wolle auch die „kirchliche Dimension dieser andauernden Tragödie hervorheben“, so Criveller, „fünf derjenigen, die verurteilt wurden, sind Katholiken“. Jimmy Lai sei „dank Kardinal Joseph Zen als Erwachsener getauft“ worden. Martin Lee, der „Vater der Hongkonger Demokratie“, habe die Demokratische Partei gegründet und sei einer der Autoren des Basic Law, der Verfassungscharta der Stadt. „Für Katholiken ist er eine vertraute Figur, ein Gläubiger, der jeden Morgen die Messe in der zentralen Kirche St. Jospeh besucht und dort als Lektor dient. Seit Jahrzehnten ist er einer der am meisten geschätzten Berater der Diözese, der oft eingeladen wird, zu Priestern, Diakonen und Laien über wichtige Fragen des Zeitgeschehens zu sprechen“, schrieb Pater Gianni Criveller. Und: „Ich bin erleichtert, dass seine Strafe ausgesetzt wurde, aber ich bin nicht weniger empört, dass ein sanftmütiger und tapferer Mann des Gesetzes und des Glaubens im Alter von 82 Jahren so behandelt wird“, betont der Pater.

Der Parlamentarier und Gewerkschafter Lee Cheuk-yan (64) stamme ebenfalls aus der katholischen Gemeinde: „Er ist ein sehr lieber Freund, der mit den PIME-Missionaren durch familiäre Bande verbunden ist.“ Dessen katholische Frau Elizabeth Tang sei als kleines Waisenkind mit ihren beiden Schwestern von Pater Adelio Lambertoni aus Varese in Italien „adoptiert“ worden. Katholikin sei auch die jetzt verurteilte Cyd Ho (66). Ebenfalls Katholikin sei die Rechtsanwältin und „sanfte Intellektuelle Margaret Ng“ (73). Am 16. April habe sie vor ihrer Verurteilung zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung vor Gericht erklärt: „Ich bin alt geworden im Dienste der Rechtsstaatlichkeit. Ich weiß, dass Sir Thomas More der Schutzpatron der Anwaltschaft ist.“ Sie wolle dessen berühmte letzte Worte abgewandelt übernehmen: „Das Gesetz muss dem Volk dienen, nicht das Volk dem Gesetz.“

Nach Angaben des britischen Journalisten und Menschenrechtlers Benedict Rogers in „UCA News“  ist auch der Verurteilte  Albert Ho katholisch. Katholikin sei allerdings auch Hongkongs Gouverneurin Carrie Lam – und diese habe „Blut an ihren Händen“.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Hier kostenlos erhalten!