Regimegegner demonstrieren im Iran

Opposition nutzt Trauerfeier in Ghom für verstorbenen Großajatollah Hussein Ali Montaseri

Ghom (DT/dpa/sei) Zehntausende Regimegegner im Iran haben am gestrigen Montag laut dpa nach Berichten aus Oppositionskreisen die Trauerfeier für den am Sonntag gestorbenen Großajatollah Hussein Ali Montaseri zu Protesten gegen das Regime genutzt. Spiegel-Online zitierte gestern nachmittag die Reformer-Internetseite Jaras, wonach die Demonstranten auf Hundertausende geschätzt würden. „Sie skandieren Slogans zur Unterstützung Montaseris und zur Unterstützung von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi“, so zitiert Spiegel-Online. Auf Websites der Opposition wurde unmittelbar nach Beginn der Feierlichkeiten von Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen. Bestätigungen dafür zu erhalten, gestaltete sich gestern schwierig, da ausländische Medien von der Veranstaltung in der Stadt Ghom nicht berichten durften. Nach Angaben von BBC wurde auch wieder versucht, die persisch-sprachigen Ausstrahlungen des britischen Senders in den Iran zu stören.

Gegner des Regimes von Präsident Mahmud Ahmadinedschad haben die Trauerfeier zu einer Großdemonstration umfunktioniert. Unter den Teilnehmern waren auch die Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi. Die Sicherheitskräfte in der Stadt waren nach Angaben von Beobachtern seit dem frühen Morgen in Alarmbereitschaft. Demnach wurden schon auf der Fahrt nach Ghom Demonstranten gestoppt. Oppositionelle berichteten, zumindest ein Bus mit Trauergästen sei auf der Fahrt angehalten worden. Aus Ghom selbst wurden nach BBC-Informationen mehrere Festnahmen berichtet.

Der verstorbene 87-jährige Großajatollah Hussein Ali Montaseri galt als einer der einflussreichsten kritischen Geistlichen im Iran und Gegner des umstrittenen Präsidenten Ahmadinedschad. Nach der islamischen Revolution 1979 hatte Revolutionsführer Ajatollah Khomeini den Großajatollah zunächst als seinen Nachfolger vorgesehen. Nachdem Montaseri sich aber zunehmend kritisch zur Entwicklung der Islamischen Republik geäußert hatte, fiel er in Ungnade. Der Ort für die Beerdigung, Ghom, ist eine der heiligsten Städte der Schiiten und Hochburg der religiösen Lehre im Iran. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz liegt etwa 150 Kilometer südlich von Teheran am Rande der Kawir-Wüste. Mit der Gründung der arabischen Kolonie Ghom im 8. Jahrhundert entstand hier eines der Zentren des Schiismus, der heute Staatsreligion ist.

Der Ruhm der Oasenstadt, in der knapp eine Million Menschen leben, gründet sich auf die Grabmoschee der Fatima. Sie war die Schwester des Imams Resa, des achten in der Reihe von zwölf Imamen, die nach schiitischem Glauben legitime Nachfolger des Propheten Mohammed sind. Das um 1600 erbaute Heiligtum lockt jedes Jahr Millionen von schiitischen Pilgern nach Ghom. Die islamischen Gelehrtenschulen des Ortes mit schätzungsweise etwa 50 000 Schülern aus 70 Ländern gelten als die bedeutendsten der Welt. Von Ghom aus rief Ajatollah Khomeini 1979 zur islamischen Revolution auf.

Gestern wurde bekannt, dass die über Wochen im Iran festgehaltene Offenbacher Künstlerin Parastou Forouhar das Land verlassen darf. „Ich habe meinen Pass am Samstag zurückerhalten“, sagte Forouhar der „Financial Times Deutschland“ (Montagsausgabe) in Teheran. Die in Offenbach lebende Forouhar reist jedes Jahr in den Iran, um ihrer 1988 im Iran vom Geheimdienst ermordeten Eltern zu gedenken. Als sie am 5. Dezember abreisen wollte, wurde ihr iranischer Reisepass eingezogen.

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