Rainer Maria Kardinal Woelki

Von Regina Einig
Rainer Maria Kardinal Woelki
| Kardinal Woelki verspricht Aufklärung mit Missbrauchsstudie

von Regina Einig

Der Stuhl des Kölner Erzbischofs hat traditionell eine Leuchtturmfunktion über die Grenzen des Erzbistums inne. In Zeiten der Verwirrung und Unsicherheit in Glaubensfragen gelten Entscheidungen und Wortmeldungen des Kölner Oberhirten als richtungsweisend. Als Kardinal Rainer Maria Woelki 2014 von Berlin ins Rheinland zurückkehrte, gab es durchaus skeptische Stimmen. In Berlin hatte Woelki Konflikte gemieden und bewiesen, dass er sich auf kirchenpolitischen Minenfeldern zu bewegen versteht, ohne ernstlich anzuecken. Impulsivität und glühende Überzeugungstäterschaft, zwei Charaktereigenschaften seines Vorgängers Joachim Meisner, gehen dem zurückhaltend auftretenden Kölner Erzbischof ab. Nie hat er durch spontane Äußerungen Furore in den sozialen Netzwerken gemacht. Undenkbar, dass der Kölner Erzbischof wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz mit einem flapsigen Spruch wie „Wir sind keine Filialen von Rom“ die internationale katholische Bloggerszene in Aufruhr versetzen würde.

Der Mitdenker

Allerdings wäre es verfehlt, Kardinal Woelki die Rolle des Gegenspielers des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe zu unterstellen. Köln und München sind keine Antipoden. Die Gegensätze zwischen den Erzbischöfen von München und Köln fallen keineswegs so scharf aus wie seinerzeit zwischen den Kardinälen Meisner und Lehmann. In der Verkündigung gibt es zwischen Marx und Woelki unübersehbare Schnittmengen, in der Flüchtlingsfrage passte zwischen beide kein Blatt Papier.

Dass die persönlichen Stile des barock wirkenden Münchner Erzbischofs und des Kölner Kardinals, der in seinem Bistum präsent ist und auch mal auf dem Rad durch seine Bischofsstadt fährt, voneinander abweichen, lässt sich auch an anderen deutschen Hirten beobachten. Am deutlichsten zieht sich der theologische Spannungsbogen derzeit durch die Freisinger Bischofskonferenz.

Woelki hatte von Beginn seiner Amtszeit in Köln an Akzente in der Sakramentenpastoral gesetzt und voreilige Hoffnungen gebremst. Er ist kein ökumenischer Parforcereiter, eher ein Mitdenker. Den unpräzisen Pastoraljargon der Reformeiferer hat er sich nie zu eigen gemacht. In Fragen der Lehre und Seelsorge gehört der Kölner Erzbischof zum Kreis der Bischöfe, die sich nicht durch das Ungestüm, mit dem in der Konferenz mitunter Fakten geschaffen werden sollen, überfahren lassen. Glaubensinhalte zu banalisieren und mit theologisch nicht solide begründeten Einzelfallregelungen zu verbinden wäre in einem Erzbistum von der Strahlkraft Kölns auch besonders problematisch.

Weitere Artikel
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch
Berlin
Die Schwierigkeiten der Aufarbeitung Premium Inhalt
Ungereimtheiten bei dem jüngst veröffentlichten Berliner Missbrauchsbericht: Diese zeigen exemplarisch die Schwierigkeiten im Umgang mit Missbrauchsfällen.
25.06.2021, 09  Uhr
Heinrich Wullhorst
Themen & Autoren
Aufruhr Erzbischöfe Joachim Kardinal Meisner Kardinäle Minenfelder Rainer Woelki

Kirche