Putins Schmeichler

Kaum zu glauben: Der „lupenreine Demokrat“ Wladimir Putin knebelt und manipuliert in Russland die freie Presse, er gibt Europa in der Energiepolitik den Zuchtmeister, und spielt dann die beleidigte Leberwurst, wenn dies eben nicht als „lupenreine Demokratie“ bejubelt wird – und in Deutschland wird dieser Putin auch noch hofiert.

Da überreicht der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich dem Vorsitzenden der Regierung der Russischen Föderation, Wladimir Putin, den Dankorden des Semperopernballs in der Kategorie Politik für den sächsisch-russischen Kulturaustausch und seine Verdienste um die Städtepartnerschaft Dresden/St. Petersburg. Zwar streut Tillich in seiner Rede indirekt und vorsichtig einige kritische Bemerkungen ein – aber der Gast aus Russland und gelernte Geheimdienstler nimmt dies überhaupt nicht zur Kenntnis. Warum also bekommt Putin überhaupt einen solchen Preis angedient? Und was gewinnt die Kultur und Politik in Deutschland dadurch? Nichts – mit Preisen sollten besser die in Russland unterstützt werden, die sich für Pressefreiheit und Demokratie einsetzen, die einen solchen Namen auch verdienen.

Und dann treffen sich ausgewählte deutsche Chefredakteure mit Putin, der ihnen eine Lektion erteilt. Er nennt sie „hochnäsig“ und wirft den westlichen Medien vor, unausgewogen über ihn und Russland Bericht zu erstatten. Mehr als ein Murmeln ist aber als kollektiver Widerspruch nicht zu hören. Warum arrangieren deutsche Chefredakteure überhaupt ein solches Treffen? Schmeichelt es, mit einer Person der Zeitgeschichte diniert zu haben? Und warum treffen sie sich beispielsweise nicht lieber mit dem russischen Oppositionspolitiker Gari Kasparow? Vielleicht, weil der gerade wieder im Gefängnis sitzt? Kaum zu glauben. sei

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