Pressestimmen vom 28. Februar 2019

Wenn man sich duckt und wartet, dass der Sturm vorüberzieht, übersieht man den Schaden, den er hinterlässt – natürlich die Opfer, aber auch entmutigte Laien, für die viele ihrer Hirten nicht mehr glaubwürdig sind. Das Gottesvolk zu bitten, es möge wegen einiger weniger Judasse Jesus nicht verlassen, entbindet uns Hirten nicht von der Pflicht, mutig die Wahrheit zu verkündigen, Irrtum zurückzuweisen und jene zu strafen, die von der Wahrheit abweichen oder beharrlich an der Sünde festhalten. Gott wird eines Tages von uns Rechenschaft fordern für den Dienst, den er uns anvertraut hat. Wir Kleriker haben das Gottesvolk allzu oft enttäuscht. Wir haben es in eine sehr schwierige Lage gebracht. Es ist vielen von ihnen hoch anzurechnen, dass sie so lange treu gewesen sind. Sie haben gelernt, über unsere menschlichen Fehler hinwegzusehen und weiterhin Christus zu finden – aber wir sollten es ihnen nicht so schwer machen, dies zu tun. Hilf uns, Herr. Rette uns. Habt Erbarmen mit uns und bewahre uns durch deine Gnade!

War das Urteil unangemessen? [...] Mit diesen Fragen muss das Berufungsgericht sich auseinandersetzen. Ich kann nur hoffen und beten, dass der Ankläger etwas Frieden findet und sein Leben weiterleben kann, wie auch immer das Berufungsurteil lauten wird. Sollte die Berufung scheitern, dann hoffe und bete ich, dass Kardinal Pell auf seinem Weg ins Gefängnis nicht das unschuldige Opfer einer verwundeten Nation auf der Suche nach einem Sündenbock ist. Sollte die Berufung erfolgreich sein, dann sollte die Polizei von Victoria ihre Methoden zur Untersuchung so schwerer Straftaten überprüfen. Als 2017 die Untersuchungen gegen Kardinal Pell begannen, wurde ich im Radio gefragt: „Machen Sie sich Sorgen über dieser Fall, unabhängig von seinem Ausgang, und über seine Auswirkungen auf die Kirche?“ Ich antwortete: „Ich denke, dieser Fall wird ein Test für alle beteiligten Personen und Institutionen sein. Und wir können nur hoffen, dass das Ergebnis von Wahrheit, Gerechtigkeit, Heilung, Versöhnung und Transparenz geprägt sein wird. Es ist eine große Herausforderung für meine Kirche, und ja, dieser Fall wird viel nach sich ziehen. Aber absolut grundlegend ist, dass die Justiz ihre Arbeit tun kann. Wir wollen abwarten und die Beweislage betrachten, und schauen, wie es sich entwickelt. Und wir wollen hoffen, dass es Wahrheit und Gerechtigkeit für alle an diesem Prozess beteiligten Personen geben wird.“ Das hoffe ich noch immer.

Abd al-Aziz Bouteflika ist kein geeigneter Präsident für Algerien. Er ist dazu nicht mehr in der Lage. Seine Wahl als Schutzschirm bleibt – nach wie vor – unverzichtbar für all jene, die die Reichtümer des Landes horten und meinen, dass sie damit weitermachen können. Ein solches kubanisches Szenario der Machtweitergabe innerhalb eines Clans wird heute nicht mehr akzeptiert. Der Ausbruch der Wut in Algerien, an dem der Arabische Frühling fast spurlos vorbeigegangen war, überrascht durch sein Ausmaß. Erstmals werden die Staatsspitzen anvisiert. Die Lösung der Krise ist sicherlich nicht mehr die Unterdrückung, sondern eine offene Präsidentschaftswahl, bei der die Algerier wirklich über ihre Zukunft abstimmen können.

Ein Merkmal des Rassismus ist das tröstliche Selbstmitleid: Wenn es mir schlecht geht und meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, dann liegt es daran, dass der Staat, die Gesetze, „die Eliten“ oder vielleicht auch „die Kirche von Papst Franziskus“ die Migranten schützen.

Nicht wenige finden so Trost und eine Erklärung für Ungerechtigkeit, sozialen Rückstand und manchmal auch persönliches Versagen. Auch die von der neoliberalen Globalisierung gesäte Verunsicherung spielt eine Rolle:

Sie wird zur ängstlichen Forderung nach dem Schutz des eigenen Umfelds vor einer vermeintlichen Bedrohung von außen, die man darin erkennt, das anders aussehende, arme Menschen sich darin bewegen. [...] Die Identifizierung des Feindes, der in das eigene Territorium eingedrungen ist, erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl. [...]

Die Konstruktion kollektiver Kategorien, nach denen alle Afrikaner oder alle Migranten gleich sind, ist ein Wesensmerkmal des Rassismus: Die Verbrechen von einigen werden allen als Schuld angelastet.

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